Veddeler Schulprojekt wird fortgesetzt

Hiltrud Kneuer (64) war eine der Initiatorinnen des Projekts „Praxisklasse“. Foto: pr
 
Vorreiter in Sachen Berufsvorbereitung: die Schule auf der Veddel. Foto: pr

STS Veddel: Praxisklassen bleiben auch nach Abschied von Schulleiterin Kneuer erhalten

Ch.v.Savigny, Wilhelmsburg

Gute Nachrichten für die Schüler der Stadtteilschule (STS) auf der Veddel: Auch nach dem Weggang von Schulleiterin Hiltrud Kneuer wird es weiterhin eine „Praxisklasse 10-Plus“ geben. Das Zusatzjahr soll es Absolventen der 9. Klasse (Erster Allgemeinbildender Schulabschluss, ESA) ermöglichen, leichter im Berufsleben Fuß zu fassen.
Das vor rund elf Jahren gegründete Projekt ist längst zur festen Institution geworden: Nach Auskunft der Schulbehörde (BSB) existiert eine unbefristete Rahmenvereinbarung. Beteiligt sind neben der STS Veddel das Amt für Bildung, das Hamburger Institut für Berufliche Bildung (HIBB) und die Gewerbeschule G6. „Es stehen jährlich 40 Plätze zur Verfügung“, sagt BSB-Sprecher Peter Albrecht.
Mit der „Praxisklasse 10-Plus“ (damals noch unter dem Namen „9-Plus“) hatte die STS im Jahr 2006 ein für Schulverhältnisse geradezu revolutionäres Projekt gestartet: Ein Jahr lang dürfen die Schüler seither freiwillig weiterlernen, davon zwei Tage pro Woche an der Schule und drei in einem Betrieb ihrer Wahl. Nach Abschluss des Zusatzjahres erhält der Absolvent ein Zertifikat, das von der Schule, der Behörde und von der Handelskammer ausgestellt wird.
Mehr als 70 Prozent der Schüler werden laut STS Veddel von ihrem Betrieb übernommen. Wichtigsten Ausbildungspartner der Schule ist der Veddeler Kupferhersteller Aurubis. Für den Betrieb ihrer „Praxisklassen“ hat die STS eine behördliche Sondergenehmigung, da die Jugendlichen von Rechts wegen eigentlich eine Berufsschule besuchen müssten.
Die STS Veddel ist eine gebundene Ganztagsschule mit derzeit knapp 500 Schülern. Der Migrantenanteil liegt bei 85 Prozent. Auf Berufsvorbereitung wird traditionell viel Wert gelegt: Schon in Klasse 5 können die Schüler am „Girls' Day“ oder „Boys' Day“ teilnehmen, ab Klasse 7 geht es dann los mit betrieblichen Tagespraktika.
Eine neue Schulleitung ist bislang noch nicht gefunden. „Frühestens im Mai“ rechnet die BSB mit einer Entscheidung. Obwohl die Schule in einem sogenannten „Problemstadtteil“ liegt, gibt es keine speziellen Bewerbungskriterien.

Ex-Schulleiterin Hiltrud Kneuer im Gespräch


Ende Januar wurde Hiltrud Kneuer (64) pensioniert. Doch die ehemalige Leiterin der Schule auf der Veddel ist niemand, der den neuen Lebensabschnitt mit „Füße hochlegen“ gleichsetzt. Das Wochenblatt stellte der vielbeschäftigten „Unruheständlerin“ drei Fragen.

Mit Ihrem Abschied geht eine Ära zu Ende: Knapp 28 Jahre waren Sie an der Veddeler Schule beschäftigt, davon 15 Jahre als Schulleiterin. Als Ihr größter Erfolg gilt die Einrichtung der „Praxisklasse 10-Plus“. Bitte ziehen Sie ein kurzes Fazit.
Mit unseren Praxisklassen, die allen Jugendlichen auf den Elbinseln offen stehen, haben wir seit zehn Jahren außerordentliche Erfolge. Begonnen hat es mit der Aurubis AG, inzwischen sind es über 40 Unternehmen, Handwerksbetriebe, Restaurants und weitere mehr. Die Betriebe profitieren ebenfalls von diesem Projekt, da sie ihre künftigen Lehrlinge genauestens kennenlernen - also für alle eine Win-Win-Situation.

Wie haben Sie Ihren Abschied erlebt?
Der Abschied ist mir nicht leicht gefallen, da meine Kolleginnen ihn mit viel Herzblut gestaltet haben. Ich scheide mit einem guten Gefühl, da ich jetzt Gewissheit habe, dass die Projekte, für die ich mich eingesetzt habe, in meinem Sinne weitergeführt werden.

Wie sieht Ihre weitere Lebensplanung aus? Ich engagiere mich schon länger ehrenamtlich, unter anderem im Beirat des Museums BallinStadt. In meiner neu gewonnenen Freizeit möchte ich außerdem meine Spanischkenntnisse auffrischen. Und natürlich lange aufgeschobene Reisewünsche endlich in die Tat umsetzen: Das südliche Afrika und Südamerika stehen ganz oben auf meiner Wunschliste.
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1 Kommentar
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Yasmin Yasmin aus Veddel | 20.04.2017 | 09:55  
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