Spanner am Deich

Ihr reichts: Kerstin Elvers-Beutler (mit Sohn Liam) zieht weg. (Foto: sl)

HPA-Projekt Deichbude am Moorwerder Hauptdeich nervt Anwohner gewaltig

Kerstin Elvers-Beutler hat die Nase gestrichen voll. Ende September wird sie zum letzten Mal die Tür ihres idyllischen Häuschens am Goetjensorter Deich abschließen und dann dem Möbelwagen Richtung Seevetal hinterherfahren. Der Grund für ihren Umzug: „Idyllisch ist hier nichts mehr, seitdem die Deichbude steht“, sagt die junge Frau. „Jeden Tag stehen dort Leute, glotzen mit Ferngläsern in unsere Gärten und unsere Häuser und fotografieren. Ich habe noch nie im Leben Gardinen gehabt und wollte auch nie welche aufhängen, jetzt habe ich keine Wahl mehr.“
Eigentlich wollte Elvers-Beutler erst umziehen, wenn ihr heute acht Monate alter Sohn Liam in die Schule kommt. „Aber wir halten das hier nicht mehr aus“, sagt sie traurig. „Ich möchte in meinem Zuhause nicht be-
obachtet werden, wenn ich auf der Couch oder im Garten liege.“
Auch Nachbarin Anne K. (Name der Redaktion bekannt) ist total genervt. „Hier kommen inzwischen Doppeldeckerbusse voller Menschen an“, schimpft sie. „Das Schlimmste daran ist, dass die auch ihren Müll hier lassen.“ Beim Spaziergang mit den Hunden würde man immer wieder Hinterlassenschaften der Besucher finden. „Inklusive Haufen mit Klopapier“, so K..
Der Grund für die Aufregung ist ein Projekt der Hamburg Port Authority (HPA). Die Hafenbehörde hat auf das Sielhaus Groetjensort eine so genannte Deichbude gebaut. Dieses Holzhaus soll über das Tideelbekonzept und das Pilotprojekt Kreetsand informieren. Hinter dem Deich lag jahrzehntelang ein Spülfeld. Nun soll im „Laufe der kommenden Jahre ein neues Flachwassergebiet entstehen, die Tideelbe soll neuen Raum für Entwicklung bekommen“, heißt es auf den Infotafeln in der Deichbude.
Eine Entwicklung, die die Anwohner durchaus begrüßen. Nur die Bude nervt. „Diese Ecke war immer schon ein beliebtes Ziel für Radfahrer, und natürlich haben die auch mal Pause auf dem Deich gemacht“, sagt Anne K. „Aber niemand ist bisher auf die Idee gekommen, uns hemmungslos in den Garten zu glotzen!“ Ein Umstand, mit dem die Anwohner wohl noch eine Weile leben müssen. Die Deichbude soll mindestens während der Bauphase stehen bleiben. „Wir rechnen mit rund drei Jahren“, sagt HPA-Projektleiter Jörn Gutbrod.
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