„Soziale Gerechtigkeit ist mir wichtig“

Auf ihrem roten Elektro-Moped: SPD-Politikerin Kesbana Klein. Foto: bs

Die Wilhelmsburger SPD-Politikerin Kesbana Klein geht ihren eigenen Weg

Von Bent Szameitat. Als das rote Moped vor uns bremst, wird Kesbana Klein immer größer. Selbstbewusst ist die 52-jährige SPD-Politikerin und hoch gewachsen. Seit 20 Jahren trägt sie einen Hijab, das Kopftuch der Muslima. An Sonnentagen wie diesem fährt sie mit ihrem Roller über die Elbinsel, an Regentagen trifft man sie oft in einem Bus der „Wilden 13“. Dabei führt sie viele Gespräche und erfährt so, welche Themen die Menschen in ihrem Stadtteil bewegen. Bevor die Diplom-Finanzwirtin ihre Wohnung in Kirchdorf-Süd bezog, war sie Tauchlehrerin in der Türkei und in Ägypten, führte ein Hotel in Kenia und studierte anschließend in Deutschland Medizin.

Sie hilft Flüchtlingsfamilien in Kirchdorf-Süd

Das Streben nach sozialer Gerechtigkeit ist ihr Lebensthema. Aufgewachsen in einem bürgerlichen Beamten-Haushalt in Elmshorn, beobachtete sie, wie sich ihr Vater sein Leben lang für das DRK engagierte und eiferte ihm früh als Rettungsschwimmerin in der DLRG nach. Nach einer kurzen Ehe kündigte Kesbana Klein ihren Job beim Finanzamt und wollte was von der Welt sehen. In Afrika und in der Türkei habe sie zu schätzen gelernt, dass wir in Deutschland in einem demokratischen Rechtsstaat leben. „Ein Schatz, den es zu bewahren gilt“, so Klein.
Für ihr Engagement in Kirchdorf-Süd als Leiterin einer Laienschauspielgruppe, bestehend aus behinderten und nicht behinderten Darstellern, wurde Kesbana Klein mit dem Kirchdorf-Süd-Preis und dem Bürgerpreis der Bezirksversammlung Hamburg-Mitte ausgezeichnet. Während ihrer Arbeit in der Bürgerini-tiative „Barrierefreier Bahnhof Wilhelmsburg“ stellte sie fest, dass man als Politiker ganz andere Möglichkeiten hat, ein Projekt voranzutreiben. In ihr reifte der Entschluss, sich selbst zur Wahl zu stellen.
Ihre Kandidatur und Wahl als Bezirksabgeordnete sorgte 2014 für Aufsehen. In den sozialen Medien wurde die konvertierte Muslima mit Lob und Hass überschüttet. Die Wogen haben sich in der Zwischenzeit geglättet, und Kesbana Klein kann sich um wichtigere Dinge kümmern. Als im Herbst vergangenen Jahres die ersten Flüchtlingsfamilien in Kirchdorf-Süd ankamen war sie Tag und Nacht im Quartier unterwegs, um mit den aufgebrachten Anwohnern zu sprechen. Am Ende waren die größten Skeptiker die freigiebigsten Spender. Den Namen „Kesbana“ gab ihr eine alte Türkin. Erst Jahre später erfuhr sie, dass er soviel wie Gewinnerin bedeutet.
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.