Sie hat ein neues Zuhause gefunden

Mieterin Bärbel Schröder kann nach vorne schauen: Sie hat eine neue Bleibe in „ihrem“ Stadtteil gefunden. Foto: cvs

Abriss: Bärbel Schröder (72) muss aus ihrer Wohnung ausziehen – nun kann sie endlich aufatmen

Ch. v. Savigny, Veddel
Monatelang hatte sie nach einer Wohnung gesucht und immer wieder Absagen kassiert. Nun hatte sie endlich Erfolg: Bärbel Schröder (72), deren eigene vier Wände am Veddeler Elbdeich demnächst dem Bagger zum Opfer fallen sollen (das Wochenblatt berichtete), kann zum 1. Oktober umziehen.
Die künftige Bleibe ist zwar klein (40 Quadratmeter), aber dafür günstig. Und vor allem: auf der Veddel – in dem Stadtteil also, der ihr schon seit 30 Jahren ein Zuhause bietet, und den sie nur ungern verlassen möchte. Vermieterin der neuen Wohnung ist die städtische Saga. „Ich bin froh, dass es doch noch geklappt hat“, sagt Bärbel Schröder.

Eine Wohnung im Firmengebäude

Zur Vorgeschichte: Seit über zehn Jahren lebt Schröder am Veddeler Elbdeich, direkt neben dem markanten alten Rundbunker aus roten Ziegelsteinen. Ursprünglich hatte sie für ein im gleichen Hause ansässiges Transportunternehmen gearbeitet, die „Gerhard Paulsen GmbH“. Die Firma wurde inzwischen verkauft, Schröder ging in Rente, nahm aber immer noch Post für ihren Ex-Arbeitgeber an und sorgte dafür, dass das Gebäude einigermaßen gepflegt aussah.

Die Umgebung hat sich verändert

Im Laufe der Jahre veränderte sich die Umgebung: Der Veddeler Marktplatz, der schon längst kein solcher mehr ist, wurde umgebaut und als moderner Verkehrsknotenpunkt für den Hafenverkehr wiedereröffnet. Außerdem ließ die Umweltbehörde den Deich erhöhen.Die Crux an der ganzen Geschichte: Offiziell ist das Wohnen im Hafen – und dazu zählt auch der Veddeler Elbdeich – verboten. Laut Hamburg Port Authority (HPA) sind lediglich Hausmeisterwohnungen von Betrieben zugelassen. Betriebe, wie zum Beispiel die „Gerhard Paulsen GmbH“. Nach dem Verkauf der Firma war das Wohnrecht der Mieterin – und übrigens auch das eines Nachbarn – de facto erloschen. Die HPA drückte jedoch zunächst ein Auge zu.
Nun nagt auch der Zahn der Zeit am nördlichsten Wohnhaus auf der Veddel: „Heizung und Warmwasser sind kaputt, eine Reparatur lohnt nicht mehr“, bestätigt Vermieter Manfred Paulsen, Sohn des früheren Firmeninhabers. Dafür zahle seine Mieterin nur noch die Kaltmiete. Bärbel Schröder kann damit leben. „Ich habe mein neues Zuhause gefunden“, sagt sie.
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