Selcuk Cukadar macht 40 Kinder satt

Gemeinsam den Tisch decken, kann auch ein Abenteuer sein. Godwin, Avalon, Ceyda, Taha und Elyesa (v.l.) sind jedenfalls begeistert. Foto: sl

Fußballtrainer kocht für Kinder auf der Veddel: Projekt startet
nach den Sommerferien

Von Sabine Langner. Selcuk Cukadar war entsetzt, als beim wöchentlichen Fußballtraining Kinder mit Kreislaufbeschwerden zusammenbrachen. „Das kann doch nicht sein", sagt er. Hartnäckiges Nachfragen ergab, dass die Kinder schlicht Hunger hatten. „Kinder, die so hungrig sind, dass sie nicht mal Fußball spielen können, das kann doch in einer Stadt wie Hamburg eigentlich nicht passieren", sagt der 33-jährige Koch, der selber Vater eines neunjährigen Sohnes ist.
Als er vor zweieinhalb Jahren als ehrenamtlicher Trainer beim Verein Veddel United anfing, dachte er noch an Einzelschicksale und lud die Kleinen zum Essen in die nächste Döner-Bude ein. Aber das Gehalt eines Kochs ist nicht so üppig, um dies zum Dauerzustand zu machen. Also suchte er das Gespräch mit dem Veddeler Stadtteilbeirat und mit Ortspolitikern. Ein Jahr lang hat er immer wieder von den hungrigen Kindern erzählt. Dann überwies der Stadtteilbeirat 8.000 Euro für ein Jahr.
Jetzt werde ich zweimal in der Woche mit den Kindern kochen", verspricht er. „Ich bin Koch und weiß, wie man gutes Essen mit wenig Geld auf den Tisch bringt. Ich will keine Sterne-Menüs zaubern, aber die Kinder sollen satt werden, und es soll schmecken. Gleichzeitig lernen die Kinder auch noch, wie man kocht."
Damit hat sich Selcuk Cukadar viel vorgenommen. Jeden Dienstag und Donnerstag trainieren rund 80 Kinder auf dem Platz. Betreut werden sie von acht ehrenamtlichen Fußballtrainern.
Alle auf einmal versorgen kann Selcuk Cukadar nicht - das geben die Räumlichkeiten des Vereinshauses in der Slomanstraße nicht her. Aber an jedem Spieltag 40 Kinder satt zu machen, das traut er sich zu. Hilfe bekommt er dabei von den anderen Trainern sowie von verschiedenen Müttern und Vätern.
Ein Bäcker in der Nachbarschaft spendiert zudem Brötchen, Croissants und Gebäck, die an dem Tag nicht verkauft werden konnten.
So richtig los geht das Projekt nach den Sommerferien. Bisher wurden es erst einmal etwas ganz Einfaches gekocht: Nudeln mit Tomatensauce. Die Kinder waren trotzdem absolut begeistert.
„Das ist supercool, wenn wir hier alle zusammen essen", strahlt der zehnjährige Taha. „Wir sitzen dann alle an einem Tisch und können über Fußball reden. Das ist viel lustiger als Zuhause."
 auf anderen WebseitenSenden
2 Kommentare
11
Karl Eisenbeiss aus Wilhelmsburg | 11.06.2014 | 11:02  
6
Sven Schäfer aus Wilhelmsburg | 12.06.2014 | 10:21  
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.