Schulversuch in den Startlöchern

Nur immer an die Tafel schreiben, das ist ab dem nächsten Schuljahr in der Schule Fährstraße vorbei. Dann lernen die Erstklässler im Unterricht mit vollem Körpereinsatz, können sich bewegen. Musische, künstlerische und handwerkliche Aspekte der Waldorf-Pädagogik werden in den Unterricht einfließen. (Foto: dieter schütz/pixelio)
 
Vorreiter für Hamburg: In der Schule Fährstraße wird es ab August staatlich geförderten Waldorfunterricht geben. (Foto: cvs)

Schule Fährstraße bietet nach den Sommerferien Unterricht mit Waldorf-Elementen an

von Christopher von Savigny, Wilhelmsburg - Im Wilhelmsburger Reiherstiegviertel startet im neuen Schuljahr ein revolutionäres Schulprojekt: Als eine der ersten staatlichen Schulen hamburgweit nimmt die Ganztagsschule Fährstraße Teile der Waldorfpädagogik in ihren Lehrplan auf. Revolutionär ist das Projekt auch noch aus einem anderen Grund: Es gibt in ganz Deutschland kaum eine andere Schule, die Waldorfunterricht in einem sozial benachteiligten Viertel anbietet. „Damit sind wir Vorreiter“, sagt Oliver Domzalski, Vorstandsmitglied im Verein Interkulturelle Waldorfpädagogik.
Ab dem 21. August werden verstärkt künstlerische, musische und handwerkliche Aspekte in den Unterricht der Erstklässler einfließen. Eine komplette Umstellung auf Waldorf-Methoden ist nicht geplant.
Stattdessen möchte der Verein, der auch der Initiator des Projekts ist, eine möglichst ausgewogene Mischung finden, von der die Fährstraßen-Schüler am meisten profitieren. Denn rund 90 Prozent von ihnen haben ausländische Wurzeln. „Das kann zum Beispiel so aussehen, dass die Schüler beim Einmaleins-Lernen durch die Klasse laufen und mit dem Fuß aufstampfen, wenn ihre Zahl dran ist“, sagt Domzalski.
Zusätzliches Lehrpersonal sei nicht eingeplant. Allerdings werde bei Einstellungsgesprächen künftig auf eine Waldorf-Qualifikation geachtet.
Das Waldorf-Prinzip soll Jahr für Jahr um eine Klassenstufe „hochwachsen“. Das Ganze läuft als Schulversuch, der in Abstimmung mit der Behörde vorerst auf vier bis sechs Jahre begrenzt ist. Zusätzliche Kosten wie etwa Schulgeld müssen die Eltern aufgrund der staatlichen Förderung nicht befürchten.

Das ist die Position der Schulbehörde:
Schulsenator Ties Rabe: „Damit möchten wir ein attraktives Bildungsangebot für alle Kinder in Wilhelmsburg entwickeln, egal, ob die Kinder mit Migrationshintergrund, mit Startschwierigkeiten aufgrund von Lern- rückständen oder mit besten Leistungsvoraussetzungen in diese Schule kommen.
Einer sozialen Spaltung soll damit bewusst entgegengewirkt werden.“
Um Chancengleichheit für alle Schüler herzustellen, will der Schulsenator in die staatliche Schule Fährstraße „Elemente der Waldorfpädagogik integrieren, die allseits akzeptiert sind.“
Es wird zukünftig vier erste Klassen geben, die alle auch von Waldorf-Lehrern unterrichtet werden. So soll beispielsweise der Leistungs- und Notendruck redzuziert werden, die Kinder werden fächerübergreifend in Epochen lernen.
Dieses Schulkonzept ist nicht das erste seiner Art in Hamburg: Bereits seit 1950 arbeitet die staatliche Albert-Schweitzer-Schule in Klein Borstel nach diesem Konzept. KI

Die Waldorf-Pädagogik:
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts entwickelte Rudolf Steiner (1861–1925) die Waldorf-Pädagogik. Ihr liegt die Anthroposophie zugrunde. Diese Lehre des Menschen wurde ebenfalls von Steiner entwickelt.
Pädagogisch umgesetzt wurde die Anthroposophie erstmals im September 1919. Damals wurde auf der Stuttgarter Uhlandshöhe die erste Steiner-Schule gegründet. Es war eine Betriebsschule für die Kinder der Arbeiter und Angestellten der Waldorf-Astoria-Zigarettenfabrik.
So kamen die Rudolf-Steiner-Schulen – in Deutschland auch Freie Waldorfschulen genannt – zu ihrem Namen: Waldorf-Schulen. KI
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