Norovirus-Alarm in Groß Sand

Noroviren auf der Station G3 in Groß Sand: Der Erreger gilt als äußerst widerstandsfähig und ist häufig in Krankenhäusern anzutreffen. (Foto: Ch. v. Savigny)

Angehörige beklagt mangelnde Hygiene – Gesundheitsamt: alles o.k.

von Ch. v. Savigny, wilhelmsburg
Eigentlich sei ihre Mutter schon auf dem Weg der Besserung gewesen, sagt die Wilhelmsburgerin Christine Wolfram. „Aber dann bekam sie mit einem Mal schweren Durchfall und konnte nichts mehr essen.“ Auch den anderen Patienten in der Geriatriestation G3 des Krankenhauses Groß Sand ging es plötzlich sehr viel schlechter – ganz so, als hätte eine geheimnisvolle Epidemie zugeschlagen. „Besucher mussten Kittel, Mundschutz und Handschuhe tragen“, berichtet Wolfram.
„Auf dem Flur hingen Schilder, die vor Ansteckungsgefahr warnten.“ Im Gegensatz dazu habe man die Hygiene in den Krankenzimmern offenbar nicht besonders ernst genommen. „Benutzte Windeln wurden nicht entsorgt, sondern blieben in einer Tonne im Zimmer liegen“, empört sich die Tochter der 89-jährigen Patientin. „So etwas kann doch nicht sein!“
Was erstmal ziemlich dramatisch klingt, entpuppt sich beim näheren Hinsehen als gewöhnlicher Noroviren-Befall. „Das ist nichts Geheimnisvolles, aber läs-tig“, erklärt Robert Möller, kaufmännischer Direktor der Klinik. „Besonders in den Wintermonaten treten die Viren gehäuft auf.“ Die Patienten litten einige Tage an Durchfall und Erbrechen. „Das ist nicht gefährlich, aber man muss den Flüssigkeitsverlust ersetzen“, so Möller. Dass die getragenen Windeln in den Zimmern verblieben, erscheine auf den ersten Blick vielleicht etwas eigenartig. „Aber das dient dazu, den Krankheitserreger nicht noch weiter zu verbreiten.“
Eingewiesen wurde die Seniorin ursprünglich wegen einer Lungenentzündung. Nachdem es ihr zunehmend schlechter ging, hatte Wolfram um eine Verlegung ihrer Mutter in ein Einzelzimmer gebeten – vergeb-lich. Der Grund: „Zum Zeitpunkt des Ausbruchs waren alle Zimmer belegt“, berichtet Georg Schiffner, Chefarzt des Geriatriezentrums. Inzwischen habe sich Lage aber entspannt. „Die Patientin liegt jetzt alleine in einem Zwei-Bett-Zimmer“, so Schiffner. Auch der Norovirus sei im Abflauen begriffen. „Wir rechnen damit, dass wir diese Woche Entwarnung geben können.“
Noroviren sind weltweit verbreitet und gelten als äußerst ansteckend. 75 Prozent der Fälle treten in Krankenhäusern und Altenheimen auf. Aufgrund der Infektionsgefahr wurde das Wochenblatt gebeten, auf einen Stationsbesuch zu verzichten.

Noroviren: Das sagt die Gesundheitsbehörde
Darf man benutzte Windeln im Krankenzimmer aufbewahren? Ja, sagt Rico Schmidt, Sprecher der Hamburger Gesundheitsbehörde. „Solange sie in verschlossene Behältnisse kommen, stellen sie keine Gefahr für die menschliche Gesundheit dar. Mit den Geruchsbelästigungen muss man leben.“ Grundsätzlich würden kontaminierte Materialien in einem Zweifachsystem aus einem Beutel, der zugeknotet wird, und einem Transportbehälter, beispielsweise einem Sack oder einer Tonne, entsorgt. Dieser Transportbehälter sei regelmäßig zu tauschen. Schmidt: „Die berichtete Geruchsbelästigung ist dabei in einer Ausbruchssituation, zum Beispiel bei Noroviren, nicht immer zu vermeiden, darf jedoch nicht mit einer möglichen Erregerübertragung verwechselt werden.“
„Noroviren sind eine häufige Erkrankung, teilweise werden uns deutschlandweit um die 1.000 Fälle pro Woche gemeldet“, sagt Susanne Glasmacher, Sprecherin des Robert-Koch-Instituts in Berlin. „Beim gesunden Menschen stellen sie normalerweise keine Gefahr dar, bei älteren Patienten kann es jedoch zu Komplikationen kommen.“ cvs
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