Manfred Pfeifer schließt!

Manfred Pfeifer, der Herr der Zuckerstöcke, geht in den Ruhestand. (Foto: angela dietz)

Am Jahresende wird der kleine Laden am Berta-Kröger-Platz dichtgemacht –
Wer versorgt die Wilhelmsburger künftig mit Süßigkeiten?

Angela Dietz, Wilhelmsburg – Den Namen Pfeifer kennt in Wilhelmsburg jeder. Wer eine neue Batterie für die Armbanduhr braucht, geht in den kleinen Laden im Hochhaus am Berta-Kröger-Platz. Doch die zahlenmäßig größte Kundschaft sind die Kinder, die hier seit 46 Jahren Süßkram in Tütchen füllen. Jetzt ist Schluss damit. Zum Jahresende geht Manfred Pfeifer in den Ruhestand.
Der 67-Jährige steht hinterm hohen Tresen, mit Blick auf hunderte von Süßwaren in türkisfarbenen Plastikdosen. Weingummi mit und ohne Zuckerstreu, Lakritzschnecken, -stangen und -taler, grünes und rotes Brausepulver. „Ich bin zufrieden“, sagt Manfred, „ich habe fast alle anderen Geschäfte überlebt.“
Alle fünf Minuten kommt jemand rein und fragt in breitem Tonfall: „Sach ma, du hörst auf?“ Nach Manfreds „Ja“ folgt erst das verständnisvolle Nicken der Kunden und dann die Frage, wo sie künftig ihre Uhrenbatterie wechseln lassen können. Für den Preis, 3,50 Euro, wohl nirgends.
Weiche Lakritz für ihre Mutter wählt die 53-jährige Sabine Harmstorf, Brausebonbons für sich - „bloß kein Zitrone“ - und Esspapier. Ein älterer Mann, blaue Schiffermütze und ebensolche Jacke, erkundigt sich nach Pfeifers 94-jähriger Mutter Else. „Er hat den Ruhestand verdient“, ruft eine andere beim Rausgehen über die Schulter.

Noch kein Nachmieter für den Laden gefunden

„Mein Vater Erwin hat den Laden 1970 gegründet“, erzählt Manfred Pfeifer, „als hier das Hochhaus gebaut wurde.“ Später stieg der Sohn mit ein. Süßigkeiten und Bücher gab es, die Schmöker und Kleinspielzeug in vollgepfropften Regalen. Da war der Laden noch doppelt so groß. Seit der letzten Sanierung ist er sehr geschrumpft. Der Inhaber wollte es so.
Langweilen wird sich Manfred Pfeifer nicht, wenn er aufhört. Der Garten, das Fünf-Familien-Haus, die alten Eltern und seine Rockband „Just for fun“ – das ist genug. Eigentlich läuft sein Vertrag mit dem Vermieter, der Saga, noch bis Ende 2017. Wahrscheinlich muss er solange weiterhin die Miete zahlen.
Denn, ob die Saga jemanden findet, der den Vertrag übernimmt, bleibt offen. Der sehr kleine Laden ohne Lagerflächen sei das Problem, erläutert Saga-Sprecher Michael Ahrens auf Nachfrage. Deshalb seien bisher alle Interessenten wieder abgesprungen.
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.