Kinder werden zu Spatzenrettern

Die Kinder der Elbinselschule Rahmwerder Straße mit Pädagogen und Stiftungsmitgliedern bei der „Aktion Spatzenrettung“. Foto: jc

Unterricht im grünen Klassenzimmer der Schule Rahmwerder Straße

Jenifer Calvi, Wilhelmsburg
Die Kinder der Elbinselschule an der Rahmwerder Straße sind jetzt Spatzenretter. Die Leidenschaft für den kleinen bedrohten Singvogel ist entfacht und das Wissen nach einer Extrastunde Vogelkunde auch vorhanden. An einem Dienstagvormittag ging es in Gummistiefeln und dicken
Jacken raus in den schuleigenen Kleingarten. Anpacken war angesagt, mit Hacke, Schaufel und Gießkanne Pflanzen einbuddeln, die dem Spatz bereits im nächsten Frühjahr etwas zu futtern bieten können.
Im grünen Klassenzimmer stellt sich heraus: Die Schüler zwischen sechs und sieben Jahren wissen bereits ganz schön viel. „Was fehlt dem Spatz denn bei uns überhaupt?“, fragt Umweltpädagogin Anke Jörck. „Ein Pfeil, damit er weiß, wo er hin muss“, sagte David (7) - ganz Stadtkind folgerichtig – ergänzt aber umgehend sehr plietsch: „Und Körner, die er picken kann!“
So ist es – der Spatz braucht Samen, Körner und Insekten, um zu überleben. Letztere ernähren sich von Pflanzen. Svenja Ganteför von der Deutschen Wildtier Stiftung nimmt die neugierigen Naturforscher darum heute an die Hand.
Sie hat die Spatzenkiste entwickelt, in der viel Lernmaterial steckt, das Kindern und Lehrern der Elbinselschule den bedrohten Vogel nahe bringt. Beispielsweise eine Art Mini-Blasebalg, der das typische Spatzentschilpen nachahmt. Auch ein Spatzenreihenhaus – denn die Vögel leben gern gesellig – wird gemeinsam mit den Kindern aufgehängt.
Auf den Mund gefallen sind die Kleinen bei dem praxisnahen Unterricht wirklich nicht: „Ach, das kenn ich“, sagt David, als er das Spatzenreihenhaus sieht. „Bei meiner Oma habe ich schon Tausende Vögel gesehen. Hoffentlich kommt der Spatz auch bald zu uns.“
Hintergrund: Ein Jahr lang beschäftigen sich die Kinder mit dem Spatz und der heimischen Vogelwelt, indem sie die Materialien der Spatzenkiste kennenlernen, Sträucher und Bäume auf dem Schulhof pflanzen und pflegen, Spatzenreihenhäuser bauen, aufhängen und eingezogene Vogelfamilien in der Brutsaison beobachten, ein Vogelfutterhaus aufstellen und regelmäßig füttern. Ihre Erlebnisse halten die Schüler über das Jahr hinweg in einem „Spatzen-Tagebuch“ fest und dokumentieren ihre Beobachtungen in Bildern und Fotos.

Spatzenkiste
Kindern die Natur nahe bringen, dafür setzen sich viele Hamburger Stiftungen ein. Das „Projekt Spatzenkiste“ wird von der Deutschen Wildtier Stiftung ins Leben gerufen und von der Jens Steineke Stiftung in der BürgerStiftung Hamburg finanziell unterstützt. „Wir haben oft keine Vorstellung davon, wie wenig Zugang zur Natur viele Kinder von Haus aus haben. Da wollen wir eine Lücke schließen“, sagt Iris Gietzelt von der BürgerStiftung Hamburg. Insgesamt macht die Spatzenkiste der Deutschen Wildtier Stiftung in sechs Hamburger Grundschulen die Runde. Sie kann von interessierten Lehrern angefordert werden.
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