Impressionen von der igs Hamburg

Blumenmeer (Foto Chris Baudy)
 
Monorail der igs (Foto Gisela Baudy)
 
Blick aus der Monorail (Foto Gisela Baudy)
Hamburg: Internationale Gartenschau | Wir schreiben Donnerstag, den 15. August 2013. Mit igs-Flyer, Notizblock, Schreiber, Fotoapparat und Eintrittskarten bestückt, passieren wir bei strahlend blauem Himmel und gleißender Mittagssonne das Drehkreuz am Haupteingang der igs. Vor uns liegen drei Stunden Bewegung an der frischen Luft und ein überwältigendes Areal an Blumen, Pflanzen, Naturlandschaften, Kunstwerken sowie vielfältige Informations- und Aktionsmöglichkeiten. Wo fangen wir da am besten an? Der igs-Plan verrät uns, dass es acht Natur- und Kulturlandschaften zu entdecken gibt, die wir per pedes oder auch bequem mit der Monorail (Gartenschaubahn) erreichen können. Wir entscheiden uns für eine Bahn-Rundreise zur ersten Orientierung.

Auf dem Weg zur nächstgelegenen Monorail-Station legen wir unseren ersten Zwischenstopp in der Blumenhalle ein. Hier bestaunen wir die Blumen-Darbietungen norddeutscher Floristen zum aktuellen Wettbewerb „Die silberne Rose“, entdecken exotische Pflanzen in den Themenbuchten „die See“, „die Insel“, „Ozeanische Promenade“, „das Riff“ und „die Wolken“ und begegnen auf Infotafeln Persönlichkeiten wie Adelbert von Chamisso, Philipp Franz von Siebold, Amalie Dietrich und Ernest Henry Wilson – allesamt berühmte und teilweise auch exzentrische Pflanzensammler- und Naturforscher/innen aus den vergangenen drei Jahrhunderten.

Draußen belagern Schmetterlinge und Hummeln die farbenprächtigen Blumenbeete. Gleich mehrere Kameras versuchen dies festzuhalten. Als nächstes entführt uns die „Container“-Welt der Häfen in alle Herren Länder und zu etlichen Umschlagsplätzen. Wir lernen vieles über das Allround-Talent Bambus, dem „Baustoff der Zukunft“, über Baumwolle, Ingwer, Kakao, Kaffee, Mohn, Seide, Tee und viele andere Importwaren. An der Station „Deine Welt im Container“ setzen wir uns kritisch mit dem globalisierten Handel auseinander - denn längst nicht alle Beteiligten sind hier Gewinner. Beim Thema Auswanderung und Sehnsüchte und Nöte der Auswanderer besinnen wir uns im Ballinstadt-Container auf unsere eigenen Träume und Wünsche – zu lesen auf Kofferanhängern, die zwischen denen anderer Besucherinnen und Besucher am Container-Zaun hängen. „Here comes the sun“ dringt plötzlich an unser Ohr. Wir landen in Liverpool, der Heimatstadt der Beatles. Im Container wippt eine Handvoll Besucher/innen mittleren Alters im Takt der Klänge und singt vereinzelt leise mit, während sie die verschiedenen Infostationen im Container begehen. Eine Besucherin drückt einen Knopf. Mitten im Song ertönt plötzlich „Yesterday.“ Wir schwingen einfach mit und hängen unseren Jugenderinnerungen nach.

Mit gezückten Bahntickets erwarten wir und rund 50 andere Fahrgäste die Ankunft der elektrisch betriebenen Gartenschaubahn im igs-Bahnhof Nord. Schon bald schiebt sich eine silbergraue Riesenraupe fast geräuschlos in die open-air-Station und entlässt ihre Passagiere. Wir steigen hinter drei schwadronierenden älteren Herrschaften in einen der elf Waggons ein und belegen zwei der hinteren Plätze. Auf der 3,5 km langen Rundstrecke igs lauschen wir der aufgezeichneten Gute-Laune-Stimme von Anke Harnack, schauen links und rechts nach unten, knipsen Bilder, schreiben fleißig mit. Im lockeren Plauderton erzählt uns die NDR 90,3 Moderatorin allerlei über die Hintergründe und Themenbereiche der Gartenschau, die vorbildliche Energiebilanz der Monorail oder auch, dass sich auf dem igs-Gelände 20 Hektar bestehenbleibende Naturschutzfläche befinden. Am Südbahnhof empfängt uns eine lange Schlange Reisewilliger, aber nur wenige Passagiere räumen ihren Platz. Daran ändert sich auch nichts am Westbahnhof. Erst am Ausgangspunkt kann Anke Harnack neue Gäste begrüßen. Als die Bahn wieder abfährt, erspähen wir im letzten Waggon eine ältere Dame mit Geh-Wagen. Wir lesen, dass dieser Zugteil erfreulicherweise für mobil eingeschränkte Fahrgäste reserviert ist.

Wir setzen unsere Erkundungstour auf Schusters Rappen fort. „Go West“ ist die Devise - wir nehmen die Welt der Religionen ins Visier. Ein E-Transport-Gefährt mit Anhänger kommt uns entgegen. Es erinnert uns an die Vehikel der skurrilen britischen Kultserie „The Prisoner“ (Der Gefangene) aus den 60ern. Wir fragen uns, ob wir nicht als Gepäckstücke mitfahren könnten. "Der fährt doch gar nicht in eure Richtung", stellt ein etwa Zehnjähriger fest. Richtig. Wir nicken dem Jungen lächelnd zu, als er uns mit Mama und Pappa und zwei kleineren Geschwistern im Bollerwagen überholt.

Die Welt der Religionen muss allerdings noch warten. Zunächst durchqueren wir die Wasserwelten mit seiner Vielzahl an thematischen Facetten. Hier treffen wir zum Beispiel auf 450 weiße, im Halbrund hochgestapelte Plastik-Tanks. Sie fassen jeweils 1.000 Liter und symbolisieren in ihrer Gesamtheit den erschreckend hohen Wasserverbrauch bei der Herstellung eines Autos. Uns interessiert auch, wie die Wasserreinigung durch Gräser funktioniert, warum Nebel und Regenwald zusammengehören und welche literarischen Auszüge an einer Wäscheleine hängen. "Der Schimmelreiter" von Theodor Storm ist auch dabei. Zwei betagte Besucher überlegen laut, wann der Autor gestorben ist. "1888, das weiß ich zufällig genau", sagt der Ältere von beiden. Wir wissen es nicht, sind aber schwer beeindruckt. Plötzlich lenken Kinderkreischen und Wasserplatschen unseren Blick auf einen riesigen Wassereimer, der sich gerade über einem einfachen Zeltdach entleert. Schon wieder sind mehrere Kameras im Einsatz und halten das Spektakel in Bild und Ton fest.

Wir schließen uns dem Trek auf der Holzbrücke über der Rathauswettern an und bewegen uns weiter in Richtung Weltreligionen. Bevor wir in diese Welt der Stille und Einkehr eintauchen, erfreuen wir uns an Lokis Garten mit einheimischen Gewächsen sowie an der Blumen- und Blütenpracht, die sich auf einem farbenfrohen Wiesenfeld und auf riesigen „Blumenschiffen“ präsentiert. "Also, wenn ich einen Garten hätte, dann würde es bei mir genau so bunt aussehen", erklärt uns eine Mitfünfzigerin, während sie ein Bild von der Szenerie schießt.

Endlich kommen wir zu den Gärten der Christen, Buddhisten, Hindus, Moslems und Juden. Zunächst empfängt uns eine große Buddha-Figur, die vor dem Baum der Erleuchtung sitzt. Wir verweilen auf einem mit bunten Fahnen bestückten Meditationspfad. Als nächstes gewährt ein großer bunter Holz-Torbogen Einlass in die spirituelle Welt der Hindus mit Naturverehrung und dem Streben nach materieller Unabhängigkeit. Im christlichen Garten schreiten wir die fünf Stationen vom Beginn und Ende der Schöpfung und des Lebens ab und bewundern einen riesigen, aus Kirchenbank-Holz-Spenden zusammengesetzten Abendmahl-Tisch. Die Schöpfungsgeschichte begegnet uns auch im jüdischen Garten, während es gemütlich und „paradiesisch“ im Garten des Islams zugeht.

Ein Blick auf die Uhr und die Gewitterwolken bewegt uns in Richtung Haupteingang. Irgendwie sind wir auch überwältigt von der Erlebnisfülle und kommen gerne ein anderes Mal wieder. Schließlich haben wir ja noch lange nicht alles entdeckt. Es beginnt bereits zu tröpfeln, als wir das igs-Gelände verlassen. In der S-Bahn prüfen wir neugierig unsere Fotoausbeute.

Chris Baudy

Link:
Hintergrundinfos zur Internationalen Gartenschau Hamburg 2013
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2 Kommentare
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Lothar Jakob aus Wilhelmsburg | 06.09.2013 | 19:18  
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Lothar Jakob aus Wilhelmsburg | 17.09.2013 | 17:06  
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