Hilferuf der Schulleiter

Die Schule auf der Veddel ist eine der betroffenen Schulen auf den Elbinseln. (Foto: Christopher von Savigny)

Schlechte Schüler, überforderte Lehrer: Wilhelmsburger Pädagogen wenden sich an die Schulbehörde

von Christopher von Savigny, Wilhelmsburg
Es klingt nach einem Hilfeschrei: „An unseren Schulstandorten kommt es zu einer nicht zu bewältigenden Anhäufung von Problemlagen“, heißt es in einem Brief der 14 Wilhelmsburger und Veddeler Schulleiter an Hamburgs Schulsenator Ties Rabe. In dem Schreiben vom November geht es um Arbeitsüberlastung der Lehrer und um niedrige Schülerleistungen, die sich „trotz aller Bemühungen“ nicht verbessert hätten. Unter den jetzigen Voraussetzungen könnten die Schulen ihrer gesellschaftlichen Verantwortung nicht mehr gerecht werden, so die Klage der Pädagogen.
Ausgangspunkt für den schulischen Notstand auf den Elbinseln ist demnach der hohe Anteil an Schülern mit ausländischen Wurzeln. Dieser betrage rund 80 bis 90 Prozent. Damit verbunden sei ein überdurchschnittlich hoher Anteil von Schülerinnen und Schülern, der weder die eigene Muttersprache noch Deutsch in Schrift und Sprache ausreichend beherrsche. Mit Nachteilen für alle Beteiligten: Weder seien Lehrer ausreichend in der Lage, sich angemessen um ihre Schülerschaft zu kümmern, noch hätten Schüler die Möglichkeit, einen zufrieden stellenden Schulabschluss zu erreichen. Im Gegenteil: Rund die Hälfte bis Dreiviertel aller Drittklässler der Elbinseln befinde sich auf Hamburger Erstklässler-Niveau.
Die Forderungen der Wilhelmsburger Schulleiter: mehr Geld für Schulen im Stadtteil, kleinere Klassen auch ab Sekundarstufe 1 – und vor allem mehr Investition in frühkindliche Bildung. Denn besonders Sprachdefizite seien später schwer auszugleichen. „Unsere Kinder kommen nicht ausreichend vorbereitet in die Schule“, sagt Hiltrud Kneuer, Leiterin der Schule auf der Veddel. Yvonne Dannenberg, Leiterin der Grundschule Stübenhofer Weg, wünscht sich mehr Anreize für junge Lehrer, im Stadtteil zu arbeiten. „Zum Beispiel höhere Besoldung oder geringere Arbeitszeiten“, so Dannenberg.
Die Schulbehörde (BSB) erinnert daran, dass in den letzten Jahren bereits viel getan worden sei: „Die Klassen wurden verkleinert, Ganztagsprogramme ausgebaut, mehr Pädagogen eingestellt und die Schulgebäude saniert“, so BSB-Sprecher Peter Albrecht. „Schulische Veränderungen brauchen Zeit. Wir können 30 Jahre verspätete Integrationspolitik nicht mit vier Schuljahren ausgleichen.“
 auf anderen WebseitenSenden
2 Kommentare
87
Rudolf Lessing aus Wilhelmsburg | 19.12.2012 | 03:58  
6
Hans Dampf aus Wilhelmsburg | 19.12.2012 | 18:54  
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.