Hilfe für gestresste Eltern

Treue Kunden: Jochen Schramm (mit Rune, ein Jahr, l.) und Jörg Maltzan (mit Fritz, neun Monate) besuchen regelmäßig das EKiZ in der Mannesallee. Foto: cvs
 
EKiZ-Leiterin Caroline Keitz will gestressten und ratsuchenden Eltern helfen. Foto: pr

Eltern-Kind-Zentrum feiert zehnjähriges Bestehen

Ch.v.Savigny, Wilhelmsburg
Im großen Saal des Eltern-Kind-Zentrums (EKiZ) Reiherstieg wuseln etwa 15 kleine Kinder durcheinander. Einige von ihnen lassen einen Ball hin- und herrollen, andere spielen mit Hula-Hoop-Reifen. Wer zu klein ist zum Laufen, krabbelt auf dem Boden herum – immer auf der Suche nach neuen Bekanntschaften. Das Schöne ist nämlich: Hier gibt es lauter andere Kinder – und außerdem Platz ohne Ende!
Für die Eltern der kleinen Besucher des EKiZ – das in diesem Jahr seinen zehnten Geburtstag feiert - ist die Einrichtung ein wahrer Segen: „Ich befinde mich gerade in Elternzeit und merke, dass ich zwischendurch auch mal eine Pause brauche“, sagt Jochen Schramm, Vater des knapp einjährigen Rune. „Im EKiZ bekomme ich Kontakt und kann mich super vernetzen. Und Rune hat alles, was er braucht!“ Auch Jörg Maltzan (mit Fritz, neun Monate), der wie Schramm auf der Elbinsel lebt, kommt regelmäßig ins EKiZ: „Zuhause fällt mir auf Dauer die Decke auf den Kopf“, sagt er. Außerdem sei das
Mittagessen in der Einrichtung „super“!
Auf Initiative der Sozialbehörde hatten 2006 die ersten EKiZ der Hansestadt ihre Pforten geöffnet. Die Wilhelmsburger Einrichtung, die zusammen mit einer Kita im ehemaligen Gemeindehaus der Reiherstieg-Kirche untergekommen ist, war eines der ersten seiner Art. An drei Vormittagen pro Woche können Eltern mit ihren Sprösslingen zwischen null und drei Jahren vorbeikommen – gratis und ohne Anmeldung.
Kostenfrei ist auch ein Großteil der Angebote: Dazu gehören zum Beispiel Kinderturnen, Baby-Shiatsu, Sozialberatung, Elternkochkurs und Hebammenberatung. Für Frühstück und/oder Mittagessen zahlen Kinder nichts, Eltern werden lediglich mit einem kleinen Obolus zur Kasse gebeten.
Mit dem EKiZ – insgesamt 37 davon gibt es hamburgweit – soll die Lücke zwischen Elternschule und Kita geschlossen werden. Interessant: In der Mannesallee hat der Väter-Anteil deutlich zugenommen, während der Migrantenanteil von 90 auf 60 Prozent zurückgegangen ist. „Das spricht für Akzeptanz im Stadtteil und für eine gute Durchmischung“, sagt Mitarbeiterin Kudret Mike. Im nächsten Jahr zieht das EKiZ in einen Neubau um. Die Bauarbeiten an der Nordseite der Emmauskirche sind bereits in vollem Gange.

Mit welchen Sorgen oder Anliegen kommen Eltern und Kinder zu Ihnen?
Viele Familien wollen mit den Kindern rauskommen, den Kindern Abwechslung bieten und sich einfach von anderen Eltern verstanden fühlen. Es gibt aber auch eine große Gruppe von Besuchern, die gezielt nur zu Angeboten kommt oder ganz gezielt Fragen hat, etwa zur
Kindeserziehung, zur Kitabetreuung oder zu Problemen mit Behörden.
Bei uns können sie sich einfach fallen lassen, wir nehmen uns jedem Problem an, freuen uns über jeden Entwicklungsschritt. Eine der größten Sorgen von jungen Müttern ist aktuell die fehlende Betreuung durch eine Hebamme, dies können wir nicht ersetzen, aber durch unsere Hebamme vor Ort zumindest ein wenig auffangen.

Was hat sich innerhalb der letzten zehn Jahre verändert? Gibt es andere Schwerpunkte oder ein anderes Klientel?

Wir konnten von Jahr zu Jahr Veränderungen beobachten: Anfangs haben uns viele afrikanische Familien besucht, danach gab es eine große türkische Gruppe, momentan haben wir eine große Vielfalt an verschiedenen Kulturen. Vor ein paar Jahren war das Durchschnittsalter der Kinder noch deutlich höher. Einen ganz großen Zuwachs gab es in den letzten zwei Jahren an Vätern, die Elternzeit nehmen. Darüber freuen wir uns sehr.

Der Neubau: Wann ist er fertig? Was bietet er?

Die Fertigstellung ist für Oktober 2018 geplant. Der Neubau sieht vor, dass die Gemeinde, die Kita und das EKiZ näher zusammenwachsen. Es wird alles etwas kleiner, aber wir bekommen tolle neue Räume direkt im Kitagebäude mit einem direkten Zugang zum Außenbereich.
 
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