Hausfassade bald ganz vergoldet

Sechs Fenster hoch, vier Fenster breit: Die Vergoldung des Hauses Brückenstraße 152 ist so gut wie abgeschlossen – nur das Erdgeschoss fehlt noch. Foto: CVS
 
Würde am liebsten die ganze Veddel vergolden: der Künstler Boran Burchhardt. Foto: CVS

Boran Burchhardts Kunstprojekt an der Veddeler Brückenstraße 152 fast fertig

Christopher von Savigny,
Veddel

Die Veddel strahlt – und so mancher Betrachter gleich mit: Den größten Teil der Fassade des Hauses Veddeler Brückenstraße 152 hat Boran Burchhardt (42) bereits vergoldet. Nachdem der Künstler mit seinem Werk – wie verschiedentlich zu lesen – zu Beginn heftige Kritik hinnehmen musste, scheint er zumindest in der Bevölkerung an Akzeptanz gewonnen zu haben.
Passanten sprechen Burchhardt auf den ungewöhnlichen Wandschmuck an, Nachbarskinder dürfen im „Hubsteiger“, der mobilen Arbeitsbühne, mit nach oben fahren. „Mir gefällt das“, sagt ein Anwohner. „Und warum sollte man sich über die hohen Kosten beschweren? Bei der Elbphilharmonie hat ja auch keiner etwas gesagt.“
Auf einer Fläche von rund 20 mal 15 Metern verklebt Burchhardt derzeit schmale Streifen aus feinstem Blattgold, das extra für diesen Zweck produziert wurde. Eine Rolle reicht für rund einen Quadratmeter und kostet nach Auskunft des Künstlers 219 Euro. Die Gesamtkosten in Höhe von 85.000 Euro trägt die Kulturbehörde. Teuer? Ja, sagt Burchhardt. Aber das sei auch so gewollt (s. Interview). Tenor: Ohne Geld keine Aufmerksamkeit. Schon Mitte Juli – deutlich früher als geplant – will Burchhardt die „Vergoldung“ der Veddel abgeschlossen haben.
Nach wie vor auf den Barrikaden ist die Lokalpolitik: „Natürlich sagt jetzt der eine oder andere: Wie schön! Allerdings betrifft das nur die Ästhetik – und die macht nur den geringsten Teil des Kunstwerks aus“, schimpft Klaus Lübke (SPD). „Die Provokation ist die andere. Wenn ich vor Ort bin und die Leute befrage, dann sagen mir sehr viele, dass sie das nicht gut finden.“ Der Veddeler Politiker hätte das Geld gerne für andere – seiner Meinung nach sinnvollere – kulturelle Aktionen im Stadtteil ausgegeben. „Was ich bedauerlich finde, ist, dass die Finanzierung der Kulturbehörde dadurch einen negativen Beigeschmack bekommt. Man könnte den Eindruck bekommen, dass das Geld zum Fenster hinausgeworfen wird.“
Lutz Cassel, Vorsitzender des Stadtteilbeirats, sagt: „Ob man so etwas ausgerechnet in einem armen Stadtteil wie der Veddel machen muss, wage ich mal zu bezweifeln. Sollte das Projekt tatsächlich etwas anstoßen, würde ich mich natürlich darüber freuen. Kunst entsteht schließlich im Auge des Betrachters.“


„Die hohe Summe soll für Aufregung sorgen“

Elbe-Interview mit dem Künstler Boran Burchhardt

Über die 85.000 Euro teure Vergoldung einer Hausfassade in der Veddel sprach das Elbe Wochenblatt mit dem Künstler Boran Burchhardt (42).

Elbe Wochenblatt: Wie geht es mit Ihrem Projekt voran?

Boran Burchhardt: Deutlich besser als gedacht! Im Moment schaffen wir rund acht bis zehn Quadratmeter pro Tag. Ursprünglich hatte ich mit weitaus weniger gerechnet.

Wie funktioniert die Vergoldung eigentlich?

Ich verwende hauchdünnes Blattgold in Rollenform. Es wird auf die Wand aufgetragen. Als Klebstoff kommt eine Öl-Mixtion (ein spezieller Klebelack für Blattmetalle, d. Red.) zum Einsatz. Der Klebstoff wird von einer französischen Firma hergestellt und eignet sich auch für Außenbereiche.

Hier wird ja Gold im Wert von mehreren zigtausend Euro an die Wand geklebt. Haben Sie keine Sorge, dass sich Diebe dafür interessieren könnten?
Nein. Bei einer Dicke von einem zehntausendstel Millimeter müsste man schon sehr lange kratzen, um überhaupt den Hauch eines Gramms zusammenzubekommen!

Was wollen Sie mit Ihrem Kunstwerk erreichen?
Ich habe mich zunächst gefragt: Was müsste geschehen, damit hier im Stadtteil Veränderungen eintreten? „Die goldene Veddel“ – das ist ja bereits eine sprachliche Aufwertung.
Gleichzeitig nehme ich den Steinen durch die Vergoldung das Gewicht. Das merke ich daran, dass die Blicke der Passanten nach oben gehen, wenn sie hier vorbeikommen. Überhaupt: Warum sollte ein „ärmerer“ Stadtteil kein teures Kunstwerk bekommen dürfen? Das ist doch absurd! Die hohe Summe soll ja auch für Aufregung sorgen – das ist Teil des Konzepts.

Würden Sie am liebsten die ganze Veddel vergolden?
Warum nicht? So etwas gibt es auf der ganzen Welt kein zweites Mal. Die Veddel wäre die Attraktion schlechthin.
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