Gemeinsam feiern und einander besser verstehen

Morgen Kinder wird’s was geben: Anneliese Winzer (l.) und der ehemalige Wilhelmsburger Bünabe Claus Niemann (r.) verfolgen mit Ebrar, Sedef und Ege durch das Fenster die Vorbereitungen für die AWO-Weihnachtsfeier. (Foto: Sabine Deh)

AWO-Wilhelmsburg veranstaltet weihnachtliche Märchenstunde für Jung und Alt

von Sabine Deh, Wilhelmsburg
Seit zehn Jahren laden die Senioren der Wilhelmsburger AWO-Tagesstätte Kinder aus dem Stadtteil zu einer Weih-nachtsfeier ein. In diesem Jahr strömten, verteilt über drei Tage, rund 300 Mädchen und Jungen aus den benachbarten Grundschulen in die festlich geschmückten Räume an den Rotenhäuser Wettern. Mit erwartungsvollen Gesichtern nahmen die Knirpse an den langen Tafeln Platz und lauschten bei Kakao, Plätzchen und Butterbroten mit Schoko-Creme den Märchen aus aller Welt, die ihnen der afrikanische Erzähler Oladijide Akinyosoye, der Ehrenamtliche Dr. Arnold Alscher und der ehemalige Bünabe Claus Niemann vorlasen.
Diese schöne Tradition hat einen ernsten Hintergrund: Das Image der Jugendlichen aus dem Stadtteil war nicht immer gut. Viele Senioren durchquerten früher nach Einbruch der Dunkelheit nur ungern den Park hinter dem Haus der Jugend, weil sie Angst hatten, dort vermeintlichen Rüpeln zu begegnen und nahmen lieber einen Umweg in Kauf. Das HdJ-Wilhelmsburg, die Organisatoren der AWO-Seniorenstätte und der Verein Inselkinder setzten sich im Jahre 2002 an einen Tisch und überlegten, wie man diese Situation entschärfen könne. Seither finden regelmäßig generationsübergreifende Grillnachmittage, Ausflüge, gemeinsame Feiern und Computerkurse statt, bei denen sich Jung und Alt besser kennenlernen. „Mit Hilfe dieser Veranstaltungen ist es uns im Lauf der Jahre gelungen, die gegenseitigen Vorurteile abzubauen und Verständnis für die Probleme der anderen Generation zu wecken“, freut sich Uli Gomolzig, der Leiter des HdJ.
Dass dieses Prinzip schon bei den Kleinsten funktioniert, war bei den Weihnachtsfeiern gut zu beobachten. An allen drei Tagen standen die AWO-Damen morgens um fünf Uhr auf, um das Fest für ihre kleinen Gäste vorzubereiten. AWO-Leiterin Hannelore Kaschny (72) erinnert sich noch gut an die Weihnachtsfeier im Jahre 2006. Damals war gerade ihr Mann verstorben und sie befand sich noch mitten in der schlimmsten Trauerphase. „Die Kinder, deren Augen im Kerzenlicht glänzten und sich über ihre Tüten mit Süßigkeiten gefreut haben, waren damals ein großer Trost für mich“, verrät sie mit einem Lächeln.
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