Gartenschau-Flop: Suche nach Ursachen

Immerhin, die Dahlien blühen noch: Amina Hartke und Simon Kümmel, igs-Besucher aus Hessen. (Foto: cvs)
 
Lieblingsbeschäftigung vieler igs-Besucher: Blumen knipsen. (Foto: cvs)

Die igs ist vorbei und hat einen Riesenverlust eingefahren

- Christopher von Savigny, Wilhelmsburg - Sonnabends Regen, sonntags viel Sonne: Das letzte Besucherwochenende der Internationalen Gartenschau (igs) präsentierte sich noch einmal als Spiegelbild der vergangenen Saison. So wie die letzten fünf-einhalb Monate abgelaufen waren – mit einem verregneten Frühjahr und einem heißen Sommer. Doch nicht nur das Wetter war Schuld an der miesen Besucher-Bilanz.
„Ich freue mich auf ein paar schön angelegte Gärten“, sagt Simon Kümmel aus Fulda, von Beruf Landschaftsgärtner. Zusammen mit seiner Begleiterin Amina Hartke hat er extra den weiten Weg aus Hessen auf sich genommen. Leider sei deutschlandweit viel zu wenig Werbung gemacht worden. „Wir haben nur durch Zufall von der Veranstaltung erfahren“, berichtet Hartke, die als Eventmanagerin immerhin vom Fach ist.
Schlechtes Marketing – nur einer der Vorwürfe, die der igs für ihr insgesamt miserables Abschneiden gemacht werden: Statt der erwarteten 2,5 Millionen Besucher kamen nur 1,2 Millionen. Das Defizit soll bei mindestens 25 Millionen Euro liegen, für das die Stadt Hamburg und somit der Steuerzahler aufkommen muss. Als weitere Kritikpunkte werden der hohe Eintrittspreis (21 Euro für Erwachsene) und die angeblich unattraktive Gestaltung („Betonwüste“) ins Feld geführt. „Abschließend wird man die Gründe wohl erst nach einer tiefgreifenden Analyse benennen können“, sagt igs-Sprecherin Kerstin Feddersen. Eines sei aber jetzt schon klar: So habe es Hamburg im Gegensatz zu anderen Gartenschau-Städten wie Schwerin und Rostock ungleich schwerer gehabt. „Dort war die Gartenschau immer das eine Highlight, das man gesehen haben musste“, so Feddersen. Dagegen sei die Konkurrenz in Hamburg mit seiner dichten Bandbreite an Freizeitangeboten deutlich größer. Beim Thema Marketing wie auch bei der Besucherzahl habe man sich an vergangenen Gartenschauen orientiert. „Trotzdem konnten nicht entsprechend viele Menschen mobilisiert werden“, bedauert Feddersen.
Ab sofort heißt die igs „Inselpark“ und kann als öffentliche Grünanlage kostenlos betreten werden.

Inselpark: Was bleibt, was kommt weg?
Noch einige Wochen sollen die Umbaumaßnahmen in Anspruch nehmen, die das ehemalige igs-Gelände endgültig in den „Inselpark“ verwandeln: Container, Kassenhäuschen, Toiletten und Drehkreuze werden abgebaut, große Blumenbeete werden zum Teil in Rasenflächen umgewandelt. Auch die Monorailbahn wird derzeit in ihre Einzelteile zerlegt. Der Rhododendron-Garten soll bleiben, ebenso Stauden und viele Hochbeete. Erfreulich: Die „Welt der Bewegung“ mit Minigolfplatz, Laufstrecke, Trainingsparcours und Skateanlage bleibt den Wilhelmsburgern weitgehend erhalten. „Die Eingänge zum Park werden morgens geöffnet, abends wieder geschlossen“, sagt Bezirksamtssprecher Norman Cordes. Über die Uhrzeiten schweigt sich der Bezirk allerdings aus.

Besucher reißen Pflanzen aus
Einen Tag nach Ende der Gartenschau besuchten hunderte Menschen das ehemalige igs-Gelände. Doch nicht alle wollten lediglich die noch blühenden Blümchen bewundert. Zahlreiche dreis-te Plünderer schreckten auch vor Absperrzäunen nicht zurück und gingen mit Rosenscheren und Spaten in den Beeten ans Werk. Sie schnitten Blumen ab und rissen Stauden aus. Das Problem: Viele der mehrjährigen Pflanzen sollten zukünftig den Inselpark schmücken. Laut igs waren einige der Plünderer so uneinsichtig, dass sie sich von Mitarbeitern, die zurzeit vor Ort mit dem Rückbau der Gartenschau beschäftigt sind, nicht aufhalten ließen. Die Polizei habe man dennoch nicht eingeschaltet. AS
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1 Kommentar
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Jutta Kodrzynski aus Neustadt | 25.10.2013 | 00:27  
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