Freie Plätze: Wer wird Inselmutter?

Im Moment helfen 25 Wilhelmsburgerinnen tatkräftig als Inselmütter: Sie sind sprachlich fit und kennen sich mit Behörden und anderen Hilfseinrichtungen aus. Foto: pr

In Zwölf-Wochen-Kurs lernen Migrantinnen, was sie als
ehrenamtliche Helferinnen wissen müssen

Gaby Pöpleu, Wilhelmsburg

Die Inselmütter springen immer dann ein, wenn Mütter mit ausländischen Wurzeln Unterstützung brauchen: Wenn die Sprachkenntnisse fehlen, beim Kontakt mit Ärzten, Kindergärten und Schulen, beim Gang zur Behörde, bei Erziehungs- oder Geldproblemen. Inselmütter haben nämlich selbst ausländische Wurzeln, können aber gut deutsch und kennen sich mit Kitas, Schulen, Behörden und Hilfseinrichtungen in Wilhelmsburg und auf der Veddel bestens aus.
Vermittelt werden die derzeit 25 ehrenamtlich tätigen Frauen über das Projekt „Inselmütter Wilhelmsburg“ der Elternschule Wilhelmsburg und der BI Beruf und Integration Elbinseln. Im „Tor zur Welt“ in der Krieterstraße 2d im ersten Stock sitzen als Ansprechpartner für Inselmütter, Hilfesuchende und und Einrichtungen Aysel Kesen und Gitta Siebke-Balkau. Geleitet wird das Projekt von Elternschulleiterin Birgit Trosien. Oft rufen Mitarbeiter von Einrichtungen an, zum Beispiel Kindergärten: „Ich habe hier eine Frau und möchte mit ihr die Betreuung besprechen, aber ich verstehe sie überhaupt nicht.“ Dann springen die Inselmütter ein: Unterstützen bei Gesprächen, erklären wie’s läuft und wo man sich eventuell Hilfe holen kann. Wenn sie selbst nicht weiterwissen, kennen sie die richtige Hilfsadresse, zum Beispiel die Schuldnerberatung oder die Kleiderkammer.
Putzen und Hausarbeit gehören nicht zu den Aufgaben einer Inselmutter. „Es kann auch schon mal sein, dass eine Inselmutter beim Großeinkauf für die Familie hilft, wenn die Mutter krank ist, oder dass sie ein Kind vom Kindergarten abholt“, sagt Birgit Trosien, aber eigentlich sollen sie informieren, zu Terminen begleiten und bei Verständigungsproblemen helfen.
Der zeitliche Aufwand für jede einzelnen Inselmutter ist überschaubar und daher meist gut mit der eigenen Familie zu vereinbaren: 20 bis 25 Stunden im Monat reichen. Die Inselmütter bekommen zwar eine Aufwandsentschädigung für Fahrtkosten und dergleichen, richtig Geld verdienen kann man mit dieser Arbeit aber nicht. Jedoch: „Für unsere Mütter ist das oft ein beruflicher Einstieg, denn in dem Kurs lernen sie richtig viel, und manche entdecken berufliche Neigungen“, sagt Trosien. Viele machen noch eine Ausbildung oder studieren etwas Pädagogisches. Besonders bei den Einrichtungen der Familienhilfe sind Inselmütter beliebt, viele bekämen auch Honorarjobs.

Der Kurs

Wer Inselmutter werden möchte, kann sich in einem kostenlosen zwölfwöchigen Kurs ab 5. April ausbilden lassen. Gelernt wird montags, mittwochs und freitags von 9.30 bis 12.45 Uhr, eine Kinderbetreuung ist möglich.
Voraussetzungen:
E Wohnort in Wilhelmsburg oder auf der Veddel
E eine andere Muttersprache als Deutsch
E gute Deutschkenntnisse
E Interesse an pädagogischer Tätigkeit
E Bereitschaft, regelmäßig am Unterricht teilzunehmen
E Bereitschaft, ein Jahr lang mitzuarbeiten

Inselmütter
Wilhelmsburg
Bildungszentrum Tor
zur Welt
Kieterstraße 2d, 1. Etage
Aysel Kesen
Tel. 428 76 41 52
kesen@bi-elbinseln.de
Gitta Siebke-Balkau
Tel. 428 76 41 53
siebke.balkau@bi-elbinseln.de
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