„Es wird objektiv keine Verschlechterung geben“

 

Falko Droßmann zur geplanten Schließung des Kundenzentrums Wilhelmsburg

Olaf Zimmermann, Wilhelmsburg

Mit wenig Personal viele Kunden betreuen ohne dass es zu längeren Wartezeiten kommt – diese Gleichung kann nicht aufgehen. Das wird in Hamburger Kundenzentren jeden Tag aufs Neue deutlich. Deshalb wird dort (wieder einmal) umorganisiert. „Danach ist alles besser“, heißt es. Vielleicht stimmt das sogar, denn in den Kundenzentren soll die Zahl der Mitarbeiter aufgestockt werden. Gleichzeitig werden längere Öffnungszeiten angekündigt.
Für Wilhelmsburg bedeutet die geplante Umorganisation erst einmal die Schließung des Kundenzentrums in der Mengestraße 19 (Foto), dem ehemaligen Rathaus. Begründung: Die Dienststelle sei zu klein, Krankheitsfälle könnten nicht aufgefangen werden. Wartezeiten und Belastung der Mitarbeiter würden unvertretbar steigen. Ein genauer Schließungstermin steht noch nicht fest, es könnte aber in diesem Sommer passieren.
Als Ersatz soll – wie berichtet – ein „mobiler Service“ eingerichtet werden. Eine Gruppe von Mitarbeitern bildet das „mobile Service-Team“. Es wird tageweise an mehreren Standorten im Bezirk eingesetzt, unter anderem auch in Wilhelmsburg. Während der Öffnungszeiten sind dann deutlich mehr Mitarbeiter als bisher im Einsatz. Krankheitsfälle, so ist die Hoffnung, bringen die Abläufe nicht zum Erliegen. Kunden sollen feste Termine vereinbaren, aber auch weiter spontan auf dem Amt vorbeischauen können.
Welche Öffnungszeiten das Service-Team auf der Elbinsel anbieten kann, ist derzeit allerdings noch völlig ungeklärt. Ebenso der Standort. „Voraussichtlich können die Wilhelmsburger aber weiter in ihr Rathaus gehen und dort ihre Angelegenheit in Angriff nehmen“, sagt Bezirksamtsleiter Falko Droßmann und verspricht: „Es wird objektiv keine Verschlechterung geben.“
Seit Anfang Mai haben alle Hamburger Kundenzentren mindestens 30 Stunden pro Woche geöffnet. Das gilt auch für den Standort Wilhelmsburg. Hier dürfen Besucher ihre Angelegenheiten dienstags jetzt bis 15 Uhr (vorher 13 Uhr) erledigen. Zumindest solange, bis das Kundenzentrum geschlossen wird.

Das sagt der Bezirksamtsleiter
Das Kundenzentrum in Wilhelmsburg ist stets gut besucht, die Wartezeiten sind lang. In den nächsten Jahren werden in Wilhelmsburg mehrere neue Quartiere für Tausende von Menschen entstehen. In diesem Sommer wird das Kundenzentrum Wilhelmsburg geschlossen und durch einen mobilen Dienst mit geringeren Öffnungszeiten ersetzt. Wie passt das zusammen?
Die Antwort von Bezirks-amtsleiter Falko Droßmann: „Je kleiner ein Kundenzentrum, desto fragiler ist es im täglichen Betrieb. Bei zukünftig 60 Stunden Öffnungszeit pro Woche bei gleichzeitigem Terminvorlauf von 10 Tagen (das wird hamburgweit angestrebt, d.. Red.) brauchen wir einen stabilen Betrieb zugunsten größerer Standorte. Dennoch werden wir zukünftig auch in Wilhelmsburg mit einem mobilen, aber verlässlichen Service-Angebot vor Ort sein.“

Wissenswertes über Kundenzentren

Welche Angelegenheiten können Bürger in Kundenzentren erledigen? Unter anderem Bescheinigungen, Personalausweis, Führungszeugnis, Kinderreisepass, Reisepass, Umzug, Zuzug, Beglaubigungen, Hundeanmeldung

Wie viele Mitarbeiter hat das Kundenzentrum Wilhelmsburg?
Wie viele die Kundenzentren Harburg und Süderelbe? Wilhelmsburg: 8,37 Stellen, davon 8,14 besetzt. Harburg (Stand 15. April 2017): 12,13 Stellen; Süderelbe: 6,00 Stellen.

Hat die Bearbeitungszeit pro Fall zugenommen? Warum? „Ja, insbesondere bei An-und Ummeldungen hat sich die Bearbeitungszeit etwa verdoppelt durch das Bundesmeldegesetz, das seit dem 1.11.2015 in Kraft ist. Kunden müssen zum Beispiel nun (wieder) eine Wohnungsgeberbestätigung des Vermieters vorlegen“, sagt Bettina Maak (Bezirksamt Harburg).

Wieviele Kunden kommen? In Harburg: 1.282 im Jahr 2016 (1.446 in 2017), in Süderelbe: 574 im Jahr 2016 (598 in 2017). Wilhelmsburg: keine Zahlen genannt

Wer online einen Termin vereinbaren möchte: In wievielen Tagen/Wochen ist im Durchschnitt frühestens ein Termin frei?
„Momentan liegt die Terminvorlaufzeit hamburgweit bei etwa 35 bis 38 Tagen, in Wilhelmsburg bei 45 bis 50 Tagen“, sagt Sorina Weiland (Bezirksamt Mitte). In Harburg wartet man aktuell rund 38 Tage, in Süderelbe 56 Tage.
Wie lange warten spontane Kunden ohne Termin? Spontankunden mit schnellen Dienstleistungen (Bescheinigungen, Passabholer, Beglaubigungen usw.) werden in Wilhelmsburg in der Regel direkt am Tresen bedient. Sorina Weiland: „Hier liegt die durchschnittliche Wartezeit in Wilhelmsburg bei etwa 15 bis 20 Minuten.“
Für Kunden mit langen Dienstleistungen (Pässe, Ausweise, Meldeangelegenheiten), die keinen Termin gebucht haben und spontan kommen, liegt die durchschnittliche Wartezeit hamburgweit bei ein bis zwei Stunden, entsprechend auch in Wilhelmsburg.“
Harburg: Wartezeit bei langen Dienstleistungen: 161 Minuten, bei schnellen Dienstleistungen 17 Minuten. Süderelbe: Lange Dienstleistungen: 47 Minuten, schnelle Dienstleistungen: nicht auswertbar
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