Eine OP ist für die meisten unbezahlbar

Visite nach der OP: Dr. Wolfgang Reinpold sieht nach einem frisch Operierten. Foto: Ole Reinpold

Wilhelmsburger Chirurg operiert zum elften Mal Leistenbrüche in Paraguay
und bildet einheimische Ärzte aus

Gaby Pöpleu, Wilhelmsburg
Bis zu zwölf Stunden am Tag stand Dr. Wolfgang Reinpold im OP, beriet dann nachmittags in der Sprechstunde Patienten und dokumentierte spätabends seine Arbeit. Reinpold, Chefarzt der Chirurgie im Wilhelmsburger Krankenhaus Groß-Sand und Erfinder eines erfolgreichen Hernien-Operatinsverfahrens, operierte im November in Paraguay Leisten- und Bauchwandbrüche bei Patienten, die sich diese Behandlung sonst nicht leisten können. Schon seit Jahren ist das Wilhelmsburger Krankenhaus Groß-Sand unter anderem auf Leistenbruch-Operationen spezialisiert. Eigentlich ein harmloser Routineeingriff. Doch in Paraguay können sich nur Reiche eine fachlich einwandfreie Behandlung leisten.
Die Heilung eines Bruches, in der Fachsprache „Hernie“ genannt, ist nur durch eine Operation möglich. Doch in Paraguay haben nur wenige Chirurgen Erfahrung mit modernen so genannten „Netzeinlageverfahren“, wie sie in Deutschland üblich sind, berichtet Reinpold. Auch sind zum Beispiel die verwendeten Kunststoffnetze in Paraguay für den Durschnittspatienten unbezahlbar. Die Folge: Viele Brüche bleiben unbehandelt und nehmen enorme Ausmaße mit gefährlichen Folgen an.
Die Patienten kamen von weither zum deutschen Bruch-Spezialisten: In der ländlichen Region um Santa Rosa wurden die Menschen über den lokalen Radiosender aufgerufen, im Krankenhaus Brüche professionell und kostenlos behandeln zu lassen. Ein Mann nahm dafür einen Weg von mehr als 150 Kilometern auf sich. Er hatte schon viele Jahre einen doppelseitigen Leistenbruch. Starke Schmerzen beeinträchtigten ihn bei der Feldarbeit. Nicht nur ein medizinisches, auch ein soziales Problem: „Wenn der oft alleinverdienende Vater wegen einer Hernie arbeitsunfähig geworden ist, steht dort oft die Existenz der ganzen Familie auf dem Spiel“, sagt Reinpold.
Reinpolds elfter Einsatz hat vor Ort noch mehr bewegt: Einheimische Chirurgen, die bei seinem Besuch im vergangenen Jahr ausgebildet worden waren, gehörten jetzt schon zu seinem Expertenteam und können weitere Kollegen schulen. Quasi nebenbei wurde Dr. Reinpold dann auch wegen seines Einsatzes für die Fortbildung der einheimischen Ärzte von der Universität Asunción zum Gastprofessor ernannt.
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