Ein Rocker, der keiner sein möchte

„Tod allen Fanatikern“ heißt eines von Schlagseites letzten Alben. Der 49-Jährige liebt den ironischen Selbstbezug. Foto: cvs

Porträt: Songwriter Ralf Junker alias „Schlagseite“ lebt seit zwölf Jahren auf der Elbinsel

Ch.v.Savigny, Wilhelmsburg
Wilhelmsburgs bekanntester Rocker trägt Anzug, Hemd und Halstuch. Und einen Ring mit Totenkopfmotiv. Sein Erscheinungsbild ist das Markenzeichen von R. J. Schlagseite. Obwohl der 49-Jährige eigentlich gar kein Rocker sein will. „Ich sehe mich als Singer-Songwriter“, sagt Schlagseite, der im bürgerlichen Leben Ralf Junker heißt und seit mittlerweile zwölf Jahren auf der Elbinsel lebt. Dabei ist er im Grunde „Erz-St.-Paulianer“, wie Schlagseite sich selbst bezeichnet. Doch das viele Grün, das Wasser und die Altbauten im Reiherstiegviertel gefallen ihm auch. „Wilhelmsburg hat sein ganz eigenes Flair“, findet der Musiker.
Bislang trat Schlagseite stets solo – und mit Gitarre – vor sein Publikum, etwa in Kneipen oder zuletzt beim Festival „48 Stunden Wilhelmsburg“. Neuerdings wird der Musiker von einer Band begleitet, den „Stereotypen“. Schlagseite schreibt und komponiert selbst, seine Themen sind die Fährnisse und Widrigkeiten des Lebens, die er großenteils selbst durchmachen musste und nun in seinen Texten verarbeitet.
Immer mit reichlich Ironie gespickt – davon zeugen Songtitel wie „Eine Talsohle muss keine Durststrecke sein“ oder „Auch Maßhalten muss im Rahmen bleiben“. Solche Zeilen, sagt Schlagseite, könne man nüchtern kaum bringen. Der Alkohol („Trinkt billigen Wein, meine Freunde“) hat ihn lange Zeit begleitet – doch damit ist seit ein paar Jahren Schluss. Schlagseite trinkt jetzt keinen Tropfen mehr, stattdessen übt er sich in asiatischer Kampfkunst. „Irgendwann“, sagt er, „musst du dich entscheiden, ob du jung sterben willst oder lieber nicht.“
Neuerdings hat der Mann mit dem Sakko sogar einen Job als Ton- und Lichtmeister im English Theatre. Obwohl er sich nie vorstellen konnte, fest angestellt zu sein. Aber es läuft gut. Und es passt zu ihm, denn Schlagseite ist gelernter Tontechniker.
Das Gitarrenspiel hat sich der gebürtige Emdener übrigens selbst beigebracht. „Aus der Musikschule bin ich rausgeflogen, weil ich keine Noten lernen wollte“, erzählt er. Mehr von Schlagseite – auch Konzerttermine – unter
❱❱ www.schlagseite.net
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