Die Wächter der Wasserstraße

Ein Schiffe fährt durch die geöffnete alte Schleuse. Foto: Geschichtswerkstatt Wilhelmsburg & Hafen. Foto: Geschichtswerkstatt

Veringkanal-Genossenschaft kümmert sich um Wasserqualität, Uferbewuchs und Nutzung

ANGELA DIETZ, WILHELMSBURG
Mit dem Begriff Genossenschaft verbinden die meisten den Bau von Wohnungen. Doch was verbirgt sich hinter einer „Kanal-Genossenschaft“, die es zum Beispiel beim Veringkanal gibt? 1922 wurde die „Genossenschaft der Anlieger des Veringkanals“ GAV gegründet, der alle Betriebe, die am 1896 als Transportweg gebauten Kanal ansässigen waren, beitreten mussten. Aktuell sind das noch immer mehr als 20. Auch die Stadt Hamburg ist Mitglied. „Die Stadt hat durch den Wanderweg entlang des Kanals sogar einen erheblichen Anteil“, erläutert der Vorsitzende Hermann Kemper, Chef einer Furnierfirma am Schlengendeich.
Was soll diese Genossenschaft? Die Mitglieder müssen den Kanal funktionsfähig halten, wie es das Schiffahrtsrecht vorschreibt. Das heißt: Sie können Wasser einleiten und entnehmen, ihn als Schifffahrtsweg nutzen, aber Letzteres hat heute kaum noch Bedeutung. Aber: Die GAV ist berechtigt, für Boote, die den Kanal befahren wollen, Genehmigungen zu erteilen. Voraussetzung: Sie müssen schwimmen und eine Havarie-Versicherung haben, falls dochmal was passiert. Hermann Kemper erzählt: „Ein- bis zweimal pro Monat wird die Schleuse und der Kanal für Sportboote genutzt.“
Auch für die Kontrolle des Wasserstandes und den Baumschnitt in den Uferzonen ist die GAV zuständig. Und sie muss verhindern, dass Boote ohne Genehmigung den Veringkanal befahren. Dafür müssen die Mitglieder zahlen, rund 8,50 Euro pro laufendem Meter genutzter Uferlänge. Die meisten Anlieger nutzen zwischen 20 und 30 Meter.
Sorgen macht der GAV dagegen immer wieder die Wasserqualität. Nach der Abtrennung des äußeren Veringkanals im Jahr 2013 „kippte“ das Gewässer, die Folge war ein Fischsterben. 2016 wiesen Kontrollen dem Gewässer die Güteklasse II zu – üblich für einen alten
Industriekanal.

Die Wasserqualität soll noch besser werden

Interview mit dem Vorsitzenden Hermann Kempen: So geht es dem Veringkanal im Wilhelmsburger Westen

Wochenblatt: Wie sind Sie zur GAV gekommen?
Hermann Kempen: Mein Vater erwarb 1970 die ehemaligen Schlobach Furnierwerke.
Die Anlieger dürfen Wasser entnehmen und einleiten. Was genau wird da eingeleitet?
H.K.: Es wird nur Oberflächenregenwasser eingeleitet. Alle Anrainer müssen diese Anordnung einhalten. Das wird streng kontrolliert, denn die Anlieger sind auch für die Wasserqualität verantwortlich.
Wie stark und mit welchen Schadstoffen ist der Veringkanal belastet?
H.K.: Im Schlick gibt es Schadstoffaltlasten, die in der Ära von Bundesrepublik und DDR von der Elbe eingeschwemmt wurden. Außerdem gab es zum Beispiel im jetzt abgespundeten Außenkanal Naphthalin in fünf bis sechs Meter Tiefe, das sich aus explodierenden Tanks nach Bombardierungen im Zweiten Weltkrieg ergossen hatte. Das wurde zwischen 2001 und 2005 zehn bis zwölf Meter tief ausgekoffert, also saniert und zugespundet, inklusive errichtetem Drainage-System.
Nach der Abtrennung, der Zuspundung des Äußeren Veringkanals 2013, „kippte“ das Gewässer. Es kam zum Fischsterben. Warum?
H.K.: Während der Arbeiten blieb die Schleuse für ein bis eineinhalb Jahre geschlossen und wurde extra abgedichtet, damit weder belastete Sedimente noch belastetes Wasser in die inneren Abschnitte fließen konnten. Bei Flut wurden die Ventile am nördlichen Ablauf ab und zu geöffnet, damit etwas Frischwasser einströmen konnte. Leider konnten wir das Fischsterben nicht verhindern. Obwohl wir später sogar über zwei bis drei Wochen Frischwasser dazugepumpt haben, reichte das nicht aus.
Wann und wie wurde die Wasserqualität zuletzt untersucht?
An drei Stellen hat 2016 das prüfende Labor, die Firma Eurofins Umwelt Nord, Proben entnommen. Dabei wird nach verschiedenen Stoffen gesucht, etwa nach Chloriden, Sulfaten und Schwermetallen. An einer Stelle gab es eine deutliche Belastung durch Ammonium-Stickstoff und Orthophosphate. Außerdem an zwei Stellen eine hohe Belastung mit Nitrat. Diese Werte lassen sich laut Labor nicht schlüssig klären, sind aber andererseits in städtischen Gewässern häufig als Problem „diffuser Einträge“ zu finden.
Wie bewertet das Labor die Gesamtqualität?
H.K.: Die Untersuchung ergab insgesamt eine Gewässergütequalität der Klasse II. Die Klasse I für Oberflächengewässer ist auch für uns das angestrebte Ziel.

Der Veringkanal
1896 wurde der Veringkanal im Wilhelmsburger Westen als Wasser-Transportweg für Industriegüter gebaut. Benannt wurde er nach den Brüdern Carl und Hermann Vering, ein Kaufmann und ein Wasserbauingenieur. Dadurch siedelten sich Industriebetriebe an. Sie hatten durch den Kanal einen schiffbaren Zugang zur Elbe.Die Zinnwerke und die Asbest- und Gummiwerke Merkel waren damals die größten Firmen am Veringkanal.
2008 wurde die Schleuse erneuert, Hamburgs älteste und einzige noch von Hand betriebene. Noch in den 1960er Jahren gab es monatlich zwischen 50 und 60 Schleusungen, heute nur noch ein- bis zwei. 2013 wurde der äußere Veringkanal im Süden abgetrennt.
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