„Die Tage haben Spuren hinterlassen“

Bloß nicht die gute Laune verderben lassen! Alles andere als Freizeit-Idylle erleben derzeit Kindern und Eltern der Elbkinder-Kitas. Als „Aushilfs-Erzieher“ managen Eltern den Alltag im Kindergarten. (Foto: tsilis)

Kita-Streik: Eltern als „Aushilfs-Erzieher“ bei den „Elbkindern“

Andreas Tsilis, Wilhelmsburg - „Land unter“ bei den „Elbkindern“, dem nach eigenen Angaben größten Kita-Träger der Stadt. Seitdem deren Kindertagesstätten auf der Elbinsel bestreikt werden, organisieren besorgte und verzweifelte Wilhelmsburger Eltern in Eigenregie die Betreuung des Nachwuchs. Für viele Mütter und Väter der manchmal erst zwölf Monate alten Kleinkinder sind sie damit der letzte Rettungsanker. „Nicht jeder hat einen verständnisvollen Arbeitgeber“, sagt Sören Jansen, selbst Vater zweier Kinder und quasi aus der Not geborener Aushilfs-Erzieher.

Eltern wurden als Streikbrecher beschimpft

Er gehört zu jenem bunt zusammengewürfelten Haufen, der im Gemeindehaus der Paul Gerhard Kirche sitzt und sich fragt, wie es weitergehen soll. „Die Tage haben Spuren hinterlassen“, so fasst er die ganze mehrwöchige Streik-Misere zusammen, unter der vor allem die Kinder leiden. Zweimal am Tag, immer um 12 Uhr, ist Schichtwechsel, dann kommen andere Eltern und wechseln Windeln, basteln, spielen, helfen und trös-ten. Ein Knochenjob, der ein Mindestmaß an Normalität aufrechterhalten soll und nicht selten verstörte Kinder hinterlässt.
„Manche Kinder kommen mit der Situation schwer klar“, sagt Kasten Raabe nachdenklich. Als Elternteil sei man zwar Experte, aber eben „kein Experte in der Betreuung vieler und fremder Kinder.“

Kurz vor der Einschulung doppelt bestraft

Problematisch ist nach den Worten von Gemeindepastorin Gwen Bryde auch der Ausfall der Vorschule. Das erschwert besonders Kindern aus sozial schwierigen Verhältnissen den Zugang zu Bildung. Diese Kinder, klagt Bryde, „werden kurz vor ihrer Einschulung doppelt bestraft.“ Trotz eigener Wut und Verzweiflung, Unsicherheit und Verantwortungsgefühl, gibt es ein Verständnis für das Verhalten der Erzieher. „Die machen einen Wahnsinnsjob und müssen besser bezahlt werden“, findet Johanna Rennert. Ebenso wie Pastorin Bryde hilft sie mit, damit es „irgendwie weitergeht“.
Kürzlich wurden die Aushilfserzieher von patrouillierenden Gewerkschaftern als „Streikbrecher“ beschimpft und aufgefordert, die Arbeit niederzulegen. Auch wenn es viele Widrigkeiten gibt, scheinen Bryde, Rennert, Raabe, Jansen und Co. auch als Aushilfs-Erzieher einen guten Job zu machen.
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.