Der Tote aus dem alten BMW

Lumpen, Essensreste, Müll: Monatelang muss hier jemand gelebt haben. Foto: cvs

Obdachloser wohnte monatelang in der Tiefgarage des Penny-Markts Zeidlerstraße

Ch.v.Savigny, Wilhelmsburg

Der Parkplatz mit der Nummer 11 in der Tiefgarage des Penny-Marktes in der Zeidlerstraße ist der einzige, der belegt ist. Die Tür auf der Fahrerseite des silbergrauen BMW steht sperrangelweit offen. Müll, Essensreste und Unmassen von Zigarettenkippen verteilen sich über den Fußboden. Auf den Sitzen alte Decken und zerlumpte Kleidung, ein schäbiges Paar Stoffschuhe unter dem Lenkrad. Vielleicht hat er hier als Letztes gesessen, als sie ihn an einem Sonntag Mitte Juni leblos aus „seinem“ Fahrzeug gezogen haben. „Wahrscheinlich totgesoffen“, vermutet Marktleiter Jasmin Tokic. „Den konnte man jeden Morgen mit einer Flasche Wodka hier antreffen.“
Über den verstorbenen Obdachlosen aus der Penny-Garage ist wenig bekannt. Nur sein Alter (60) und seine Staatsangehörigkeit (polnisch) gibt die Polizei bekannt. Offenbar sei er dort geduldet worden, sagt Matthias Czenna von der Pressestelle. „Es liegen keinerlei Hinweise auf Fremdverschulden vor.“
Mindestens seit dem vergangenen Winter muss die Tiefgarage (30 Plätze) bewohnt gewesen sein, denn bereits zu diesem Zeitpunkt hatten sich Leser deshalb beim Wochenblatt gemeldet. Zu Beginn seien es sogar zwei oder drei Autos gewesen – alle ohne Nummernschild, sagt Anwohnerin Roswitha Rocca. „Unheimlich war es da unten, überall Müll, es sah aus wie bei den Hottentotten.“ Geparkt habe dort schon lange niemand mehr.
Nun ist der namenlose Stadtstreicher tot – und offenbar niemanden scheint das groß zu kümmern. „Die Garage ist nicht unser Betrieb, sondern wird von einer externen Firma verwaltet“, sagt Tokic. Aus diesem Grund sei so lange nichts passiert. Nun soll das vermüllte Schrottfahrzeug endlich abgeholt und entsorgt werden. „Es ist gut, dass dort aufgeräumt wird, denn mit so etwas schaden wir uns letztendlich selbst am meisten“, so Tokic.
Um die Sorgen und Nöte von Migranten, insbesondere von Migranten aus Osteuropa, kümmert sich seit mittlerweile acht Jahren der Nachbarschaftstreff Westend am Vogelhüttendeich. Mehrmals wöchentlich wird eine medizinische Sprechstunde für Menschen ohne Krankenschein angeboten. Die derzeit rund 20 Mitarbeiter – Ärzte, Assistenten und Dolmetscher – arbeiten rein ehrenamtlich.
Den Fall aus der Zeidlerstraße findet Einrichtungsleiterin Marianne Schaaf zwar „sehr bedauerlich“. Verwundert ist sie jedoch nicht: „Die ersten, die bei uns durch das soziale Netz fallen, sind Osteuropäer“, sagt sie. Viele von ihnen würden schwarz arbeiten und im Auto oder in anderen behelfsmäßigen Behausungen übernachten. „So jemand hat bei uns keine Chance darauf, in der Gesellschaft anzukommen“, sagt Schaaf. Die medizinische Sprechstunde im Westend beinhalte aus dem Grund auch eine Sozialberatung.
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