Bier mit Holunderblütenaroma

Erst Hobby-, inzwischen Berufsbrauer: „„Bier ist geschmacklich viel komplexer als Wein“, sagt Jens Hinrichs. Die meisten Menschen könnten das nicht glauben. „Es stimmt aber!“. Foto: CVS

Bunthaus Brauerei: Nach über 200 Jahren wird auf der Elbinsel wieder Gerstensaft hergestellt

Ch.v.Savigny, Wilhelmsburg
Das „Elderflower Wild Ale“ aus dem Hause Bunthaus schmeckt überraschend säuerlich und erfrischend. Ganz anders die Geschmacksrichtung „Beetroot Sour“, die einen fruchtigen bis erdig-animalischen Eindruck hinterlässt – in der Sprache der Bierbrauer auch „funky“ genannt. Holunderblüten oder Rote Beete – beides Zutaten, die hier zum Einsatz gekommen sind – mögen nicht gerade alltägliche Zutaten für ein Gerstengetränk sein. Der Wilhelmsburger Jens Hinrichs ist da anderer Meinung: „Ich kann dir auch ein Bier brauen, das nach Schokolade oder Zitrone schmeckt“, sagt er. Abwechslung sei ihm das A und O: „Nichts ist langweiliger, als zweimal hintereinander das gleiche zu produzieren!“
Vor eineinhalb Jahren kam Hinrichs zusammen mit seinem Kumpel und Namensvetter Jens Block auf die Idee, einen eigenen, kleinen Brauereibetrieb zu eröffnen.
Ein passender Ort war mit der ehemaligen Stackmeisterei an der Bunthäuser Spitze schnell gefunden – und der Firmenname quasi gleich mit. „Im Jahr 1806 hat die letzte Brauerei Wilhelmsburgs dichtgemacht“, berichtet Hinrichs. „Wir lassen diese alte Tradition wieder aufleben.“
Block ist von Beruf Biologe, Hinrichs Programmierer. Was die beiden eint: Sie trinken gerne Bier. Allerdings längst nicht mehr die Standardversion „Pils“ aus dem Getränkemarkt – die haben sie lange hinter sich gelassen: Mal schmeckt es mild, mal extraherb, zuweilen auch süß oder sauer, nach Gurke oder nach Mango, und es kann viel oder auch fast gar keinen Alkohol enthalten.
Das Bierbrauen haben sich die beiden Hobbyköche und Familienväter selbst beigebracht. Das Grundrezept ist simpel: In einem 180-Liter-Topf wird das Malz-Wasser-Gemisch („Maische“) erhitzt, später dann gefiltert, zusammen mit Hopfen aufgekocht und in Gärbottiche abgefüllt. Art und Menge der Zutaten, Temperatur und Gärdauer bestimmen das Aroma. Eine wesentlichen Anteil am Geschmack trägt die Hefe: Ist sie obergärig – das bedeutet, sie schwimmt beim Brauprozess oben – entsteht ein fruchtiges Aroma (Beispiel: Weizenbier). Ist sie untergärig, schmeckt das Bier neutraler (Pils).
Verkauft wird das Bier bislang in Fässern, demnächst auch in Flaschen. Im Café Schmidtchen im ehemaligen Wasserwerk Inselpark haben Block und Hinrichs einen eigenen Schankraum eröffnet.
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