Bärbel Schröder soll weg

Bärbel Schröder lebt im ersten Stock des Hauses am Veddeler Elbdeich. Unten wohnt noch ein Nachbar, der sich wegen des Baulärms aber völlig verbarrikadiert hat. Foto: cvs

72-Jährige wohnt seit zehn Jahren am Veddeler Elbdeich 22 - jetzt wurde ihr wieder gekündigt

Ch. v. Savigny, Wilhelmsburg
Vor dem Haus dröhnen die Baumaschinen, schwere Betonplatten fallen zu Boden, Bagger karren Schutt beiseite. „Ich habe es schon mit Beruhigungstabletten versucht, aber so viele Tabletten kannst du gar nicht nehmen“, sagt Bärbel Schröder (72). An den Zug- und Autolärm habe sie sich ja einigermaßen gewöhnt. An die Baustelle nicht. „Da wird man doch krank von“, findet sie. Seit über zehn Jahren wohnt Schröder jetzt schon am Veddeler Elbdeich. Nun wurde ihr vom Vermieter gekündigt – angeblich soll das Haus abgerissen werden. Der Termin – aktuell der 31. August – wurde schon mehrfach verlängert. Doch die ältere Dame möchte trotz aller Widrigkeiten bleiben. Ihr Sohn lebt um die Ecke, hier ist sie zuhause. „Ich bin traurig“, sagt sie.
Hintergrund für die Kündigung sind Bauarbeiten am Deich: Die Hochwasserschutzanlagen werden zurzeit vom Landesbetrieb Straßen, Brücken und Gewässer (LSBG) um 90 Zentimeter auf 8,70 Meter erhöht. Das Vorhaben soll demnächst abgeschlossen sein. In dem Zusammenhang hatte die zuständige Hamburg Port Authority (HPA) verlauten lassen, dass dort niemand wohnen darf. Grund: Es handle es sich um Hafengebiet.
Offiziell ist die Nummer 22 – im Übrigen das einzige Gebäude neben dem alten Rundbunker – auch gar kein Wohnhaus, sondern ein Firmengebäude. Das Unternehmen, die Speditionsfirma „Gerhard Paulsen“, gibt es nicht mehr – es war vor fünf Jahren verkauft worden. Mieterin Bärbel Schröder hält das Haus, soweit sie kann, in Ordnung und nimmt immer noch Post für Manfred Paulsen – gleichzeitig ihr Vermieter – entgegen. „Das bekomme ich aber nicht bezahlt“, berichtet sie.
Der Veddeler SPD-Politiker Klaus Lübke glaubt nicht, dass das Haus abgerissen werden muss. „Wegen der Deicherhöhung jedenfalls nicht“, sagt er. Laut Bezirksamt sei auch noch kein Abrissantrag gestellt worden.
Über die Saga versucht Bärbel Schröder eine neue, einigermaßen bezahlbare Bleibe im Stadtteil zu finden. „Sehr schwierig“, sagt sie. Gerade hat sie überraschend ein Angebot erhalten: Zwei Zimmer, 45 Quadratmeter, 350 Euro warm. Ob sie die Wohnung bekommt? „Keine Ahnung, es gibt bestimmt viele Interessenten.“ Die Unterstützung des Veddel-Politikers hat sie jedenfalls: „Ich finde ihre
Situation schon heftig“, sagt Lübke über Schröder.
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.