Angst um die Seeadler

Seeadler im Heuckenlock: Dieses Foto ist nicht im Naturschutzgebiet entstanden. Foto: oliver krone

Sind die Greifvögel im Naturschutzgebiet Heuckenlock ausreichend geschützt?

Ch.v.Savigny, Wilhelmsburg
Wilhelmsburg und seine Seeadler: Seit 2012 nistet ein Pärchen des europaweit größten Greifvogels im Naturschutzgebiet Heuckenlock. Immerhin zweimal gab es seitdem Nachwuchs. Doch der Fortbestand der seltenen Vögel ist nach Meinung des Wilhelmsburger Tierschützers Gerhard Brodowski akut bedroht. Spaziergänger und Touristen nähmen zu wenig Rücksicht und gingen viel zu nah dran. „Auch auf der Wasserseite“, sagt Brodowski. „Die Paddler wissen nicht, dass sie dort nicht anlegen dürfen.“Das Problem: Offenbar gibt es zu wenige Schilder, die auf das Naturschutzgebiet hinweisen. Das Bezirksamt Mitte lässt offen, wann und ob überhaupt welche aufgestellt werden. „Die Fachbehörde ist aktuell dabei, ein neues Beschilderungssystem zu entwi-ckeln, das im Herbst 2017 zur Anwendung kommen soll“, erklärt Sprecherin Sorina Weiland. „Daher empfiehlt sich ein Austausch gleich nach dem neuen Standard.“
Dies hat laut Bezirksamt allerdings keine Eile: „Die Auswertung der Bruterfolge der letzten Jahre hat ergeben, dass die Schutzmaßnahmen, die das Bezirksamt Hamburg-Mitte durchgeführt hat, anscheinend ausreichend sind. Es gab bisher keinen Brutabbruch aufgrund von Störungen“, sagt Weiland. Zu den Schutzmaßnahmen zählt demnach eine 200 Meter große und vom Amt eingerichtete Sperrzone rund um den Seeadlerhorst. Eine „wasserseitige Beschilderung“ ist laut Bezirksamt sehr kompliziert und kann nur „mit großem Aufwand durchgeführt werden“.
Vogelschutz-Experte Marco Sommerfeld vom Nabu (Naturschutzbund Deutschland) macht sich ebenfalls Sorgen um den König der Lüfte: „Mehr Schilder könnten im schlechtesten Fall noch mehr Besucher anlocken“, sagt er. „Vielleicht sollte man es den Leuten nicht unbedingt unter die Nase reiben.“ Laut Nabu leben auf Hamburger Stadtgebiet aktuell drei bis vier Seeadler-Pärchen. Vom Aussterben bedroht sei das Tier aktuell nicht mehr. „Aber durch Windkraftanlagen bedroht, wie sie zum Beispiel in Ochsenwerder gebaut werden sollen“, sagt Sommerfeld.

Seeadler
In Hamburg leben drei oder vier Seeadler-Paare (in Wilhelmsburg und Finkenwerder). Der „Bundesadler“ ist ein Seeadler, der auch sonst als Wappentier beliebt istBestandsgröße in
Deutschland: 580 Paare
Weltweit: 12.000 Brutpaare (Quelle: WWF)
Häufige Todesursache:
(Blei-)Vergiftungen
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