Hamburger Kriminalfälle: 33 Tage im Keller

Lösegeld: 15 Millionen Mark bekamen die Entführer. Der größte Teil desGeldes ist nicht wieder aufgetaucht. Die Scheine in Euro zu tauschen wäre auffällig. Foto: pixelio

Beispiellose Entführung: Wie Jan Philipp Reemstma freigelassen wurde – Teil 2

Im März 1996 ist er in Blankenese entführt worden: Unter anderem über Kleinanzeigen in der „Hamburger Morgenpost“ halten die Entführer von Jan Philipp Reemtsma Kontakt, sie wollen zunächst 20 Millionen Mark erpressen (das Wochenblatt zum Wochenende berichtete). Auch der zweite Versuch einer Lösegeldübergabe im Austausch gegen den verschleppten Sozialforscher und Multimillionär Reemtsma scheitert. Sein Anwalt wird von Luxemburg aus auf den Autobahnrastplatz Markusberg bei Trier dirigiert. Dort legt er das Lösegeld an der vereinbarten Stelle ab. Doch die Millionen werden nicht abgeholt.
Nun bringt Reemtsma selbst zwei Vermittler ins Spiel: Neben dem Kieler Soziologen Lars Clausen den Hamburger Pastor Christian Arndt und den Hamburger Sozialarbeiter Michael Herrmann, beide als besonders polizeikritisch bekannt. Nebenbei erhöhen die Entführer ihre Lösegeldforderung auf 15 Millionen Mark und 12,5 Millionen Schweizer Franken.
In der Nacht vom 24. auf den 25. April 1996 gelingt schließlich die Übergabe, bei der die Polizei außen vor gelassen wird. Organisiert wird alles von der von der Familie Reemtsma beauftragten privaten Sicherheitsfirma ESPO aus Wiesbaden, die von einem Ex-BKA-Angehörigen geleitet wird.
Zwei Tage später wird Jan Philipp Reemtsma freigelassen. 33 Tage lang ist er in einem Kellerverlies in Garlstedt in der Nähe Bremens gefangen gehalten worden. Erst jetzt erfährt die Öffentlichkeit von der spektakulären Entführung. Die Medien, die von der Entführung erfahren, halten sich an das vereinbarte Schweigegebot – einmalig in der deutschen Kriminalgeschichte.
Damit ist die Jagd auf die Entführer eröffnet. Nachdem der Berufskriminelle Thomas Drach als Drahtzieher identifiziert ist, dauert es bis zum März 1998, ehe er in Buenos Aires verhaftet wird.
Lesen Sie den dritten und letzten Teil in der kommenden Woche.

Die Krimiserie: In loser Folge stellt das Wochenblatt zum Wochenende ab sofort die spannendsten Kriminalfälle aus Hamburg vor. In der heutigen Ausgabe geht es um die Reemtsma-Entführung von 1996.
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