Gewalt im Amateurfußball

Alf Bas (.) hat die Bezirksligapartie HSC gegen Inter unterbrochen und versucht, die an der Seitenlinie lautstark „mitspielenden“ Verantwortlichen von Inter Hamburg zu beruhigen. Foto: Düse

Hamburger Fußballverband organisiert pro Jahr 60.000 Spiele – 99 Prozent ohne Vorfälle

Von Waldemar Düse.
Es war nur eine einfache Abseitsentscheidung. Sie kostete am 4. Dezember Richard Nieuwenhuizen das Leben. Der 41-jährige Vater, fußballverrückt wie seine beiden Söhne, war im niederländischen Almere bei einem Jugendspiel als Linienrichter eingesprungen. Und nach Spielschluss von drei 15- und 16-jährigen, marokkanisch-stämmigen Spielern, die sich benachteiligt gefühlt hatten, totgetreten worden. Der zweite aktenkundig gewordene Todesfall im Amateurfußball, der durch einen Gewaltausbruch verursacht worden ist.
Hamburg ist von einer tödlichen Tragödie bislang verschont geblieben. Der Hamburger Fußball-Verband organisiert pro Spieljahr etwa 60.000 Spiele. „99 Prozent davon gehen problemlos über die Bühne“, so Carsten Byernetzki, ehemaliger Zweitliga-Schiedsrichter und verantwortlich für die Öffentlichkeitsarbeit beim HFV.
Für das restliche eine Prozent stellt Byernetzki fest: „Erfreulich ist der Rückgang der Verfahren, was bedeutet, dass die Schwere der Vorkommnisse, bei denen verhandelt werden muss, etwas abgenommen hat. Dabei gehört es jedoch zur Wahrheit dazu, dass sich die Gesamtzahl der Vorkommnisse nicht wesentlich verändert hat, was aber auch die positive Nachricht beinhaltet, dass keine Zunahme zu verzeichnen ist.“
In Zahlen: 2011 wurden 473 Fälle vor dem Sportgericht sowie 89 vor dem Jugend-Rechtsausschuss verhandelt. 2009 waren es 553 (Sportgericht) und 107 (Jugend).
Eine Insel der Seligen ist Hamburg aber keineswegs. „In Einzelfällen haben wir aber auch vor notwendigen, härteren Strafen nicht zurück geschreckt“, sagt Byernetzki. Seit einiger Zeit gehören sogenannte „Coolnesstage“ für den Jugend- und Erwachsenenbereich zum Programm des HFV, ebenso Präventions- und Rehabilitationsangebote.



2008 hatte Prof. Gunter Pilz vom Sportinstitut der Leibniz-Universität in Hannover während einer Anhörung des Sportausschusses des deutschen Bundestags darauf hingewiesen, dass „zwei Drittel aller verhandelten Spielabbrüche im Amateurfußball von Spielern mit Migrationshintergrund verursacht wurden. Es handelt sich dabei vorwiegend um Spieler mit türkischem oder kurdischem Hintergrund. Während bei den Deutschen die Opfer am häufigsten Spieler sind, attackieren Spieler mit Migrationshintergrund vor allem den Schiedsrichter.“
Auch unterschieden sich die Vergehen auf dem Platz. „Um es noch deutlicher zu sagen, je schwerwiegender der Straftatbestand, desto häufiger sind Spieler mit Migrationshintergrund beteiligt“, so Pilz.
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4 Kommentare
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Rudolf Lessing aus Wilhelmsburg | 24.12.2012 | 01:05  
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Manfred Hagel aus Harburg | 02.01.2013 | 22:34  
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Sebastian Jiske aus Heimfeld | 09.01.2013 | 18:18  
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Manfred Hagel aus Harburg | 10.01.2013 | 22:42  
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