Ein Problem: schlecht ausgebildete Trainer

Zur Gewalt im Fußball: Interview mit Schiedsrichter Alf Bas (Harburg Türksport)

Von Waldemar Düse.
Seit 2005 ist Alf Bas (37) als Schiedsrichter tätig. Der Schiedsrichter-Obmann des Harburger Türksport pfeift pro Spieljahr um die 100 Begegnungen bis zur Bezirksliga und steht in der Oberliga als Schiedsrichter-Assistent an der Linie. Darüber hinaus arbeitet er im Coaching und als Schiedsrichter-Beobachter.

WD: Herr Bas, hat sich aus Ihrer Sicht das Verhalten von Spielern, Trainern und Zuschauern auf dem Sportplatz in den vergangenen Jahren spürbar verändert?
Bas: 80 Prozent meiner Kollegen und Kolleginnen sagen ja. Nach meinen Erfahrungen gilt das vor allem für die Kreisligen, Kreisklassen und im älteren Jugendbereich.

WD: Was kann man Ihrer Meinung nach dagegen tun?
Bas: Es ist schwierig, diesem gesellschaftlichen Problem auf dem Fußballplatz angemessen zu begegnen, geschweige denn, es zu lösen. Grundsätzlich könnte eine rechtzeitige Prävention und Deeskalation, indem beispielsweise Verbandsmitarbeiter gezielt in Vereine mit Problemen hineingehen, helfen. Gleichzeitig muss aber auch auf schwere Vergehen wie Angriffe gegen Schiedsrichter sportrechtlich mit aller Härte vorgegangen werden.

WD: In vielen Spielen ist zu beobachten, dass vom ersten Pfiff an alle Entscheidungen des Schiedsrichters mehr oder weniger Gepöbel bei den Zuschauern hervorruft. Nervt das nicht furchtbar?
Bas: Das Problem sind nicht so sehr die Zuschauer, sondern schlecht ausgebildete Trainer, die ihre Spieler heiß machen. Wenn ich so etwas sehe, sträuben sich bei mir die Nackenhaare.

WD: Wer motzt denn am
meisten über Schiedsrichter?
Bas: Ich habe schon deutsche, türkische, kurdische, polnische, albanische, italienische und portugiesische Mannschaften gepfiffen. Bei allen wurden die Entscheidungen mehr oder weniger kommentiert. Grundsätzlich ist es von Vorteil, wenn der Schiedsrichter beispielsweise bei Spielen mit türkischen Mannschaften auch türkisch spricht. Er kann dann Spieler und Trainer viel gezielter ansprechen.
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1 Kommentar
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Rudolf Lessing aus Wilhelmsburg | 25.12.2012 | 19:45  
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