Zwei Kandidaten reden Klartext

 
Kann Metin Hakverdi (SPD) Nachfolger von Hans-Ulrich Klose werden? Foto: pr

Bundestagswahl: Sechs Fragen an Herlind Gundelach (CDU) und Metin Hakverdi (SPD)

Wer wird bei der Bundestagswahl am 22. September den Wahlkreis Harburg/Bergedorf gewinnen? Als aussichtsreichste Kandidaten gelten Metin Hakverdi (SPD) und Herlind Gundelach (CDU). Aber für welche Politik stehen sie eigentlich? Wir haben nachgefragt.

Muss Hartz IV erhöht
werden?
Hakverdi: Ja. Große Preis-
sprünge bei Lebensmitteln,
Strom oder Heizkosten sollten
sich auch beim Hartz IV Re-
gelsatz abbilden. Es muss
aber gleichzeitig immer der
Grundsatz gelten, dass derje -
nige, der arbeitet mehr haben
sollte, als derjenige, der nicht
arbeitet.

Gundelach: Generell sollten
die Hartz IV-Sätze der allge-
meinen Preisentwicklung fol-
gen. Darüber hinaus sollten
die Ämter Einzelfälle in einer
gewissen Bandbreite flexibler
handhaben dürfen, das ent-
spricht meiner Auffassung
vom christlichen Menschen-
bild.

Ist Rente mit 67
alternativlos?
Hakverdi: Erst dann, wenn
mehr als die Hälfte der 60- bis
64- jährigen Arbeitnehmer
sozialversicherungspflichtig
beschäftigt ist und so weitere
Rentenansprüche erwerben
kann. Nur so kann verhindert
werden, dass sich die Rente
mit 67 wie eine Kürzung aus-
wirkt.

Gundelach: Unser Renten-
system muss der gestiegenen
Lebenserwartung angepasst
werden. Wo Menschen aus
gesundheitlichen Gründen
diese Grenze nicht erreichen
können, müssen flexible Lö-
sungen ermöglicht werden,
wie beispielsweise durch
Kombi-Lohn.

Sollen Reiche mehr Steuern
zahlen?
Hakverdi: Sehr Reiche sollten
höhere Steuern zahlen: Ver-
heiratete sollten auf ihr
Jahreseinkommen, das über
200.000 Euro liegt, sie-
ben Cent mehr Steuern ab
dem 200.001sten Euro zah-
len. Diese Erhöhung betrifft
nur die wirklich Reichen.

Gundelach: Schon heute tra-
gen die oberen 25 Prozent der
Steuerzahler rund 76 Prozent
zum Steueraufkommen bei.
Statt Steuern zu erhöhen,
sollten die Schlupflöcher in
der Unternehmensbesteu-
erung geschlossen werden.

Brauchen wir einen
gesetzlichen Mindestlohn?
Hakverdi: Ja, mindestens
8,50 Euro. Wir können es
nicht den Tarifparteien über-
lassen, Mindestlöhne für ein-
zelne Branchen auszuhan-
deln, weil das nicht funktio-
niert. Es gibt Tausende von
Menschen in Hamburg, die
weniger als sechs Euro
verdienen. Das müssen wir
ändern.

Gundelach: Wir brauchen ei-
ne Lohnuntergrenze, die aber
nicht vom Gesetzgeber, vom
Staat festgelegt werden sollte,
sondern durch die Tarifpar-
teien. Beide haben sich seit
Gründung der Bundesrepu-
blik als sehr verantwortungs-
bewusst erwiesen.

Es fehlt an bezahlbarem
Wohnraum. Müssen Sozial-
wohnungen gebaut werden?
Hakverdi: Ja. Über die Hälfte
der Hamburger sind berech-
tigt, Sozialwohnungen zu be-
ziehen. Krankenschwestern,
Polizisten und die meisten
anderen brauchen solche So-
zialwohnungen. Wir müssen
aber auch Wohnungen in
höheren Preissegmenten
bauen.

Gundelach: Wir brauchen
mehr sozialen Wohnungs-
bau, wir brauchen aber auch
deutlich mehr Wohnraum für
Normalverdiener, die keinen
Berechtigungsschein, keinen
Anspruch auf eine Sozial
wohnung haben.

Was können Sie von Metin
Hakverdi beziehungsweise
von Herlind Gundelach
lernen?
Hakverdi: Ich meine, sie und
ich sind völlig unterschied-
liche Persönlichkeiten aus
völlig unterschiedlichen Poli-
tikergenerationen. Jede und
jeder sollte den eigenen Weg
finden. Ich jedenfalls will die
Menschen im Hamburger
Süden in Berlin vertreten.

Gundelach: Jeder von uns ist
eine eigenständige Persön-
lichkeit und sollte das auch
bleiben.
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.