Wohnen in einer Ex-Polizeiwache

Das Gebäude der ehemaligen Polizeiwache Nöldekestraße wurde während der Nazi-Zeit auch von der Gestapo genutzt. Deswegen war eine Flüchtlingsunterbringung hier zuvor stets abgelehnt worden. Foto: pr

In der Nöldekestraße 17 werden 36 minderjährige,
unbegleitete Flüchtlinge untergebracht

Die frühere Polizeiwache Nöldekestraße 17 wird zum Wohnquartier. Nach den Plänen der Sozialbehörde können dort 36 minderjährige, unbegleitete Flüchtlinge untergebracht werden. Vertreter der Harburger SPD/CDU-Koalition halten den Standort für nicht geeignet. Wie argumentiert die Behörde? Pressesprecher Marcel Schweitzer nimmt Stellung.

Ab wann sollen in der Nöldekestraße 17 jugendliche Flüchtlinge untergebracht werden?
An diesem Standort soll im ersten Quartal 2015 eine Erstversorgungseinrichtung mit 36 Plätzen für männliche minderjährige unbegleitete Flüchtlinge ihren Betrieb aufnehmen.

Soll es eine Rund-um-die-Uhr-Betreuung geben? Wie viel und was für Personal ist dafür vorgesehen?
Der Personalschlüssel für pädagogische Fachkräfte, meist Erzieher und Sozialpädagogen, beträgt 1:3. Hinzu kommen zwei Sprach- und Kulturmittler und eine Hauswirtschaftskraft. Die Betreuung erfolgt rund um die Uhr. Bei Bedarf wird die Arbeit durch freiberufliche Dolmetscher unterstützt. Zusätzlich wird eine Nachtaufsicht eingerichtet

Ist das Gebäude wegen der hohen Lärmbelastung überhaupt geeignet zum Wohnen?
Durch die gesetzliche Verpflichtung, die minderjährigen, unbegleiteten Flüchtlinge in Obhut zu nehmen, ist die Unterbringung im Rahmen der Erstversorgung kein „Wohnen“ im rechtlichen Sinne, auch ist der Aufenthalt auf etwa drei bis fünf Monate befristet. Die Schlafräume werden auf der von der Straße abgewandten Seite untergebracht. Eine Anfrage bei einem Lärmgutachter hat keine Auffälligkeiten ergeben.

In unmittelbarer Nähe befinden sich zwei Moscheen, die vom Verfassungsschutz beobachtet werden und als Anlaufpunkt für "radikale Islamisten" gelten. Droht hier eine Beeinflussung der Jugendlichen?
Die räumliche Nähe der beiden Moscheen ist bekannt. Wir betrachten eine rechtzeitige und zielgruppenorientierte Aufklärung der Flüchtlinge als den wirksamsten Schutz vor einer Radikalisierung durch Salafis-ten, die über das gesamte Stadtgebiet verteilt wohnen und – zunehmend auch insbesondere über das Internet – für ihre Ziele werben, ohne dass es maßgeblich auf den Standort einer Unterkunft ankommt.


Minderjährige
unbegleitete
Flüchtlinge

Im Jahr 2013 wurden 833 minderjährige unbegleitete Flüchtlinge aufgenommen, für 2014 werden insgesamt rund 1.100 erwartet. Sie stammen aus vielen verschiedenen Ländern, vor allem aus Nord-, West- und Ostafrika und aus Afghanistan. Die jungen Flüchtlinge sind nach § 37 des Hamburgischen Schulgesetzes (HmbSG) schulpflichtig.
Da sie keine oder nur geringe Deutschkenntnisse haben, richtet die Schulbehörde spezielle Alphabetisierungs- und Vorbereitungsklassen ein.
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.