Wohin mit den Flüchtlingen?

Behörde sucht Grundstücke, auf denen Wohncontainer aufgestellt werden können - im Blick: eine Fläche am Bostelbeker Hauptdeich

Die Flüchtlingszahlen steigen dramatisch. Hamburg braucht dringend Grundstücke, um darauf Unterkünfte für Asylbewerber, die überwiegend aus Balkanstaaten stammen, zu errichten. Im Bezirk Harburg wird derzeit eine Fläche am Bostelbeker Hauptdeich geprüft. Aber die allein wird nicht reichen. „Weitere Standorte erforderlich“, heißt es in einem Papier der Sozialbehörde. Wo im Bezirk könnten Wohncontainer aufgestellt werden? Wir haben in Harburg SPD, CDU, Grüne, FDP und Linke befragt.
Für die SPD antwortet Fraktionschef Jürgen Heimath: „In Anbetracht der Situation wird es kurzfristig schwer fallen, für eine möglichst gerechte Verteilung in Hamburg Sorge zu tragen. Über eventuelle Flächen in Harburg ist noch nicht entschieden worden.“
Konkreter wird da schon Ralf-Dieter Fischer: „Gegen das Gelände am Bostelbeker Hauptdeich spricht nichts. Ansonsten gibt es keine konkreten Vorschläge. Ohne Kenntnis der Rahmenbedingungen werden wir uns nicht an der Suche beteiligen. Im Hafen gibt es an allen Ecken und Ende Flächen, die leerstehen.“
Für die Grünen spricht Jürgen Marek: „Für Harburg ist der Standort Bostelbeker Hauptdeich in der ersten Planungsstufe vorgesehen. Die Planungen sind hier noch nicht weit gediehen, Platzzahlen wurden noch nicht festgelegt. Eine sachliche Bewertung dieses Standortes kann daher zum jetzigen Zeitpunkt nicht erfolgen.“
Für FDP-Mann Carsten Schuster sind die Flächen geeignet, die sich „für die Unterbringung von Familien eignen, Massenunterkünfte ausschließen und über eine gute Infrastruktur verfügen. Diese gilt es sorgfältig und unter früher Einbindung der Bevölkerung auszuwählen.“
Statement der Linken: „Es wird sicher in der Kürze der Zeit schwer werden, 100% zufriedenstellende Lösungen zu finden, sowohl was die Fläche angeht, als auch was die Unterbringungsform angeht.“
Fazit: Konkrete Vorschläge sind Mangelware. Allein die CDU wagt sich vor und empfiehlt Hafenflächen zu prüfen.


Bostelbeker Hauptdeich/Am Radeland
Auf dem Gelände Am Radeland wurde von 1908 bis 1930 ein Gaswerk betrieben. Zwischen 1938 und 2002 wurden Baustoffe aus Erdöl produziert. Durch diese jahrzehntelange industrielle Nutzung und die völlige Zerstörung der Produktionsanlagen im Zweiten Weltkrieg war der Boden teilweise bis in acht Meter Tiefe hochgradig belastet, hauptsächlich mit Teerölen aus Steinkohle.
Steinkohlenteer enthält verschiedenste Substanzen, von denen einige giftig, Krebs erzeugend oder umweltschädlich sind. Die Verschmutzung reichte bis ins Grundwasser.
2008/2009 wurde das schwer belastete Gelände des ehemaligen Gaswerks in Bostelbek „Am Radeland“ saniert. Für die Kosten in Höhe von rund zwölf Millionen Euro musste die Stadt Hamburg aufkommen.
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1 Kommentar
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Rudolf Lessing aus Wilhelmsburg | 25.12.2012 | 19:47  
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