Wo ist Wilma?

Immer wieder hängen Zettel wie diese in der Stadt. Nur mit viel Glück erfahren die Tierhalter in Hamburg, was mit ihren Haustieren geschehen ist. Foto: sl

Wenn in Hamburg Haustiere überfahren werden, haben die Tierhalter kaum Chancen, davon zu erfahren

Es ist der Horror für jeden Tierhalter: Plötzlich sind Hund oder Katze verschwunden. Es wird gerufen, gesucht und gehofft. Zettel werden in der Nachbarschaft aufgehängt. Tierheime, Tierärzte und Polizei mit Anrufen bombardiert.

Eine reelle Chance, die Tiere wieder zurück zu bekommen, haben die Besitzer, die ihr Tier haben chippen lassen. „Bei uns sind rund vier Millionen Tiere registriert“, sagt Marie-Christin Gronau, Pressesprecherin bei Tasso, einem Verein, der europaweit Tiere registriert. „Jedes Jahr werden in Deutschland etwa 105.000 Tiere als vermisst gemeldet – rund 50.000 können anhand des Chips identifiziert und zu ihren Besitzern zurück vermitteln werden.“

Doch was passiert, wenn das Tier im Straßenverkehr ums Leben gekommen ist? In Hamburg holt die Polizei so ein Tier ab und lässt es vom Amt für Hygiene fachgerecht entsorgen. Der Tierbesitzer bekommt davon nichts mit. Ein Lesegerät, um nachzusehen, ob das Tier gechippt ist, hat die Hamburger Polizei nicht. „Das ist auch nicht geplant“, sagt Polizeisprecherin Karina Sadowsky.

Pures Glück im Unglück hatte Wochenblatt-Leserin Eva Meyer, die ihre Katze vermisste. „Ich habe im ganzen Viertel Zettel aufgehängt. Eine Nachbarin rief daraufhin an und erzählte dass eine Katze vor ihrer Tür überfahren und anschließend von der Polizei abgeholt wurde. Ich hatte schon dreimal bei der Polizei angerufen. Von einer toten Katze hat mir niemand etwas gesagt. Aber mit der Information der Nachbarin konnte ich gezielt nachfragen, und tatsächlich lag „Wilma“ noch dort in einem Mülleimer. Ich konnte sie abholen und im Garten beerdigen. Das war zwar furchtbar, aber ich weiß wenigstens, wo sie ist“, berichtet sie.

Eine Lösung für dieses Dilemma hat bisher in Deutschland nur die Stadt München gefunden. Hier hat die Stadtverwaltung einen Vertrag mit einem Tierkrematorium namens „Tiertrauer“ geschlossen. Wird in München ein Haustier tot aufgefunden, bringt die Polizei den Kadaver zu Tiertrauer. Die haben ein Lesegerät und informieren Tasso, die wiederum die Besitzer benachrichtigen. Wer will, kann sein Tier ohne jede Kosten dort abholen. Wer mag, kann es dort auch einäschern lassen – das kostet allerdings Geld. „Wir machen das seit elf Jahren“, sagt Tiertrauermitarbeiter und Ideengeber Günter Damaske. „Natürlich ist diese Aktion für uns auch Werbung. Aber es muss ja niemand sein Tier bei uns einäschern lassen.“



Info: Haustiere dürfen laut Behörde für Gesundheit und Verbraucherschutz (BGV) im eigenen Garten beerdigt werden. Allerdings nur einzelne Körper von eigenen Tieren auf dem eigenen Grundstück. Keinesfalls in einem Wasserschutzgebiet und nicht in unmittelbarer Nähe von öffentlichen Wegen und Plätzen. Außerdem müssen die toten Tiere mit einer mindestens 50 Zentimeter dicken Erdschicht bedeckt sein.
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