„Wir leben in einer Wegwerfgesellschaft“

Michael Beyer (links) und Hans Lütt von der Wilhelmsburger Tafel kämpfen mit wachsenden Papiermüll-Mengen. Foto: Tsilis

Beim Recyclinghof Harburg kann man (fast) alles loswerden

Von Andreas Tsilis.
Die Zeitung kommt ins Altpapier, der Joghurt in die gelbe Tonne. Aber was passiert mit Batterie, Öl, Problemstoff oder Elektroschrott? Die können im Recyclinghof am Neuländer Kamp 6 abgegeben werden.
Dazu fährt man zuerst die Abfallannahme an, deren Speerspitze ein kleines Häuschen am Eingang des Betriebsgeländes bildet. Ein wenig erinnert das an Zollkontrolle und Grenzübergang - kraft Natur der Sache handelt es sich aber um einen völlig normalen Vorgang: Dem passierenden Bürger wird erklärt, wo was in welchen Mengen abgeladen werden darf.
Dazu übernimmt einer der Mitarbeiter des Recyclinghofes die Rolle eines „Inspektors“. Heute hat Harald Runge den Job. Mit wachsamen Auge blickt der Entsorger in den Pkw. Entdeckt er dabei kostenpflichtigen Müll, tippt er in sein mobiles Datenerfassungsgerät verschiedene Codes. „Die Politessen haben ähnliche Geräte“, sagt Vorarbeiter Kai Lassen, „wir produzieren aber keine Knöllchen, sondern Abfallquittungen.“ Damit werde dokumentiert, was ein Kunde abladen darf, erklärt der Vorarbeiter.
Michael Beyer und Hans Lütt kennen das Procedere aus dem „Eff-Eff“. Die beiden ehrenamtlichen Mitarbeiter der Wilhelmsburger Tafel fahren dreimal pro Woche mit ihrem 3,5 Tonner vor, bevor sie ihre Tour zu den Lebensmittelfachgeschäften und Discountern aufnehmen. „Der Papier- und Plastikmüll wird immer mehr“, stöhnt Lütt. Mit der gestiegenen Spendenbereitschaft steigt auch das Volumen des zu entsorgenden Abfalls für Beyer und Lütt.
Dass sich die Abfall- und Wertstoffmenge im Recyclinghof Harburg allgemein erhöht habe, glaubt Kai Lassen. Die Statistik untermauert seinen Eindruck: So hat die Stadtreinigung Hamburg in 2013 rund 766.770 Tonnen Abfall zur stofflichen Verwertung oder Verbrennung eingesammelt. 266.590 Tonnen waren stofflich verwertbar und wurden recycelt. Ein Plus von über fünf Prozent gegenüber 2012.
Zugleich lebten wir in einer „Wegwerfgesellschaft“, sagt Vorarbeiter Lassen und öffnet einen riesigen Container. Darin liegen, gut verstaut, Möbel, Musikgeräte, CDs und Bücher, alles für „Stilbruch“ bestimmt. In den stadtreinigungseigenen Sozialkaufhäusern werden gut erhaltene Sachen von gestern zu Preisen von vorgestern verkauft.

Recyclinghof
Harburg

Der Recyclinghof Harburg ist eine von zwölf Abgabestellen für Sperrmüll, Grünabfälle, Wertstoffe und Problemstoffe in Hamburg. Fünf der zwölf Harburger Mitarbeiter sind ausgebildete Ver- und Entsorger oder Fachkraft der Kreislauf und Abfallwirtschaft.
Durchschnittlich 700 Kunden kommen täglich. In Hamburg gemeldete Bürger können viele Dinge in haushaltsüblichen Mengen kostenlos entsorgen. Auswärtige zahlen mindestens 39,10 Euro.

Recyclinghof Harburg, Neuländer Kamp 6, 21079 Hamburg, Öffnungszeiten Mo-Fr 8-19 Uhr, Sa 8-14 Uhr, Feiertags, 24.12 und 31.12 geschlossen.
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