Wim Wenders zeigt Fotos in Harburg

Der Filmregisseur Wim Wenders zeigt eine Auswahl in der Sammlung Falckenberg in Harburg. Foto: sl
SABINE LANGNER, HARBURG
Orte, die fremd und still sind, nennt der Filmregisseur Wim Wenders die Ausstellung, die noch bis zum 5. August in der Sammlung Falckenberg zu sehen ist. In seinem Leben als Regisseur ist Wim Wenders begeistert von neuer Technik. Als Fotograf verlässt er sich ausschließlich auf uralte analoge Kameras. „Wenn man mit einer Digitalkamera fotografiert, schaut man immer sofort auf das Display“, erklärt Wim Wenders. „Das möchte ich nicht. Ich mag es, nur mit meinem Rucksack herum zu streifen, und ich mag es auch, wenn man bei den altmodischen Rollfilmen Tage lang warten muss, bis sie entwickelt sind“, sagt er.

Dass es bei dieser Methode zu Überraschungen kommt, mache die Sache noch attraktiver. In einem Fall allerdings auch unheimlich. Wim Wenders reiste im vergangenen Jahr nach Fukushima in die Nähe des zerstörten Atomkraftwerkes. Wie sich hinterher herausstellte, hat die hohe Strahlung in dieser Gegend alle Filme beschädigt: Über jedes Bild läuft eine bräunlich-graue Sinuskurve.

Geschichten wie diese faszinieren den mehrfach preisgekrönten Regisseur schon sein ganzes Leben. Alle der rund 60 meist sehr großformatigen Bilder in der Ausstellung erzählen eine. „Die meisten meiner Motive finde ich zufällig“, sagt der 66-Jährige. „Ich laufe rum, weit weg von den typischen Touristenattraktionen und höre zu, was mir ein Ort erzählen will.“ Weil der Ort immer im Mittelpunkt steht, sind selten Menschen auf den Bildern zu sehen. „Ich fotografiere lieber die Spuren, die die Menschen im Laufe der Zeit hinterlassen haben“, so Wim Wenders weiter. Das Ergebnis sind Bilder von Straßenkreuzungen in den USA, verrottete Riesenräder in Armenien, längst vergessene Grafitties in der Wuppertaler U-Bahn, Rodeo-Cowboys in Australien oder ein verlassenes Kino in Italien. Die Nähe zu Bildern von Edward Hopper ist dabei durchaus gewollt – der Maler ist ein großes Idol von Wenders.

Die meisten dieser Fotos werden zum ersten Mal in Deutschland gezeigt. Entdeckt hat sie der Sammler Harald Falckenberg in Sao Paulo. „Dort haben sie mir so sehr gefallen, dass ich Wim eingeladen habe, sie auch in Harburg zu zeigen“, sagt der Harald Falckenberg. Für Wim Wenders sind die alten Phoenix-Hallen ein Glücksfall: „Nachdem ich jetzt sehe, wie unglaublich gut die Bilder in diesem Räumen zur Geltung kommen, kann ich mir schwer vorstellen, sie noch irgendwo anders aufzuhängen.“

Die Ausstellung läuft noch bis zum 5. August. Ein Besuch der Sammlung Falckenberg ist nur innerhalb von Führungen möglich. Diese finden mittwochs und donnerstags um 18 Uhr, freitags um 17 Uhr sowie sonnabends und sonntags um 11 und um 15 Uhr statt. Eine Anmeldung ist erforderlich unter S 32506762 oder unter besuch@sammlung-falckenberg.de
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