Wilstorf: Wohnhäuser statt Gärten

Auf dieses kleine Paradies in ihrem Hinterhof wollen die Mieter nicht verzichten. Foto: mag

EBV will in der Zimmermannstraße „nachverdichten“ - wo jetzt noch Gärten sind, sollen vier Wohnhäuser entstehen

Von Marion Göhring. Der SPD-Senat will pro Jahr 6.000 neue Wohnungen bauen. Da müssen alle ein wenig zusammenrücken. Die Anwohner der mehr als 90 Jahre alten Siedlung an der Zimmermannstraße bekommen das jetzt zu spüren – bei manchen tut das sogar ziemlich weh. Sie sollen auf ihre herrlichen Gärten verzichten, die die Siedlung so lebenswert machen.
Der Eisenbahnbauverein Harburg (EBV) will zwischen Zimmermannstraße und Friedrich-List-Straße vier zusätzliche Wohnhäuser bauen. Auf drei Etagen und einem Staffelgeschoss sollen jeweils elf Wohnungen untergebracht werden. Dafür sollen die Mieter auf ihre Gärten verzichten.
Es soll an anderer Stelle zwar Ersatz geben, allerdings viel kleiner als bisher. Die Hobbygärtner sind empört, Anwohnerin Iris Frankenberg hat schon mehr als 400 Unterschriften von Nachbarn gesammelt, die von den Plänen des EBV nichts halten.
EBV-Vorstand Joachim Bode verteidigt das Vorhaben: „Wir unterstützen die Politik in ihrer Forderung nach mehr Wohnraum. Der EBV selbst hat rund 400 unversorgte Mitglieder.“ Die Nachverdichtung an der Zimmermannstraße sei nicht nur für den EBV, sondern auch für die Stadt eine kostengünstige Variante. Der EBV könne ein Grundstück nutzen, das ihm ohnehin gehöre. Für die Stadt wiederum entstünden keine Kosten für die Erschließung des Geländes.
Bode: „Wir wollen nach Möglichkeit autofreies Wohnen anbieten. Deshalb werden wir nur Mieter akzeptieren, die ihr Auto abschaffen oder sich gar nicht erst eins kaufen.“ Bei dieser Entscheidung dürfte es allerdings auch die Schwierigkeit eine Rolle gespielt haben, für die 44 neuen Wohnungen Stellplätze in ausreichender Zahl nachzuweisen.
Umweltbewusste Wohnungssuchende wird es freuen, die jetzigen Mieter trauern jetzt schon um ihr Idyll im Hinterhof. Zusätzliche Aufregung gab es, als in einer Harburger Tageszeitung von einem Baubeginn im kommenden Jahr zu lesen war. Bode: „Das werden wir auf keinen Fall halten können. Auch wenn wir es nicht müssen, wollen wir bei den Mietverträgen für die Gärten eine Kündigungsfrist von einem Jahr einhalten.“
Den nächsten Sommer könnten die Mieter also noch in ihrem Garten genießen.
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