Wie geht’s weiter?

Mustafa Habish, Basil Sami Abdulrahman und Mohammed Ari Omar (v.l.) haben vieles verloren, ihren Lebensmut haben sie behalten. Die Familienväter stehen in einem Kinderspielzimmer einer Unterkunft, deren Name nicht genannt werden darf. Foto: tsilis

Mustafa Habish, Mohammed Ari Omar und Basil Sami Abdulrahman sind in
Harburg angekommen, haben aber keine Chance auf Arbeit

Von Andreas Tsilis.
Beim Kickern schiebt Basil Sami Abdulrahman (37) den Ball zum 10 zu 1 ins deutsche Tor. Beruflich steht der Apotheker und Mikrobiologe im Abseits. Die Chancen, dass Abdulrahman hier seine Promotion beenden kann, stehen vielleicht bei eins zu zehn, vielleicht auch darunter.
Vor zehn Monaten flüchtete der Iraker mit seiner Familie nach Hamburg, seitdem leben sie in einer Folgeunterkunft im Hamburger Süden. Der Betreiber möchte nicht genannt werden, aus Furcht vor schlechter Publicity. Dabei läuft hier vieles rund, die Häuser sind schön, viele engagierte Ehrenamtliche aus der Nachbarschaft nehmen der Betreibergesellschaft manche Arbeit ab.
Auch Abdulrahman ist niemand, der eine ruhige Kugel schieben will. „Ich möchte arbeiten“, sagt er, „meine Familie unterstützen“. Mit Hilfe einer lokalen Institution, die sich übersetzt „offene Arme“ nennt, kann er in Kürze bei Beiersdorf ein Chemie-Praktikum machen. Auch wenn Abdulrahman euphorisch ist, stimmt die Situation nachdenklich. Seine Tochter wurde hier geboren. Trotz dreier Studienabschlüsse, und obwohl Experten wie er händeringend gesucht werden, bekommt er keinen adäquaten Job.
Mustafa Habish (32) geht es nicht anders. In Syrien war er Kraftfahrer – das könnte er auch hier sein, denn der Logistik-Branche gehen die Trucker aus. Doch statt auf dem Bock, sitzt der Familienvater auf einer Kinderrutsche und fasst sich an den Kopf.
„Nein“, sagt er, „warum mein Führerschein nicht anerkannt wird, weiß ich nicht.“ Immerhin will ein großer, deutscher Autobauer ihn einstellen, wenn seine Befähigung zum Führen eines Fahrzeugs mit Verbrennungsmotor amtlich legitimiert ist.
Eine Sternstunde wäre es auch für Mohammed Ari Omar (43), dürfte er seinem Job als Journalist nachgehen. In Erbil (Irak) war er Redakteur bei den Wochenzeitungen „Hwlati“ und „Nevin“. Wiederholt informierte er über den IS (Islamischen Staat), der ihn nach Einnahme der Stadt mit dem Tod bedrohte. Mit Frau und drei Kindern flüchtete er nach Hamburg.
Den Glauben, dass es für ihn irgendwann aufwärts geht, hat auch er nicht verloren.
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