Wie eine Nebenstraße der Reeperbahn

Unter einer Straße der Gewalt stellt man sich etwas anderes vor. Dennoch kommt die Wilstorfer Straße seit über einem Jahrzehnt nicht aus den Negativ-Schlagzeilen. Foto: tsilis

Wilstorfer Straße immer wieder in den Schlagzeilen

Von Andreas Tsilis.
In den 1980er Jahren war sie Einkaufsstraße und Flaniermeile – seit einem knappen Jahrzehnt werfen Schlägereien, Drogenhandel, Messerstechereien und Tötungsdelikte ein schlechtes Licht auf die Wilstorfer Straße. Als „Straße der Gewalt“ sorgte sie sogar bundesweit für Schlagzeilen.
Doch stimmt das Bild? Nein, heißt es aus der Pressestelle der Polizei. „Man kann nicht eine ganze Straße kriminalisieren“, sagt Polizeisprecherin Karina Sadowsky. „Eine besondere Belastung durch schwere Straftaten ist nicht erkennbar“, antwortete der Senat auf eine Anfrage des Harburger Bürgerschaftsabgeordneten André Trepoll (CDU).
Doch die aktuelle Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS) aus 2013 spricht Bände. Das Harburger Kerngebiet wies letztes Jahr eine Zuwachsrate der Gewaltkriminalität um 40,3 Prozent auf.

Am Wochenende
haben wir hier den Kiez

Im Bereich rund um die Wilstorfer Straße hat die Anzahl der erfassten Fälle für gefährliche und schwere Körperverletzung im Verhältnis stärker zugelegt als in St.Georg oder St.Pauli. Günter Sellmann, Polizeidirektor und Leiter des Polizeikommissariats (PK) 46 an der Lauterbachstraße: „Was Kriminalität betrifft, gibt es Parallelen zu Nebenstraßen von Reeperbahn und Steindamm.“
Direkt an die Reeperbahn erinnert fühlt sich mancher Anwohner. „Am Wochenende haben wir hier den Kiez“, klagt eine Kioskbesitzerin und Mieterin. Lärm, Rangeleien, zu viel Alkohol.
Ab zwei Uhr Morgens gäbe es vor den einschlägig bekannten Lokalen immer „Stress“, erklärt ein ansässiger Vermieter und Geschäftsmann. „Man kann die Uhr danach stellen.“ Stress, das heißt Beleidigungen oder Schlägereien, die nicht immer zur Anzeige gebracht würden.
Dass es mitunter brenzlig werde, meinen auch Joachim und Stefan Kloth. „Wenn es kracht, dann richtig.“ Die Trödelhändler haben sich auch körperlich durchgesetzt. „Wir mussten uns hier durchboxen“, sagt Stefan Kloth, der einst zu den besten deutschen Amateurboxern gehörte, damals in den Achtzigerjahren, als die Wilstorfer Straße noch Einkaufsstraße und Flaniermeile war.


Wilstorfer Straße
Nach Angaben von Polizeidirektor Günter Sellmann ist die „Polizeidichte“ in der Wilstorfer Straße deutlich höher als in anderen Bereichen Harburgs. Das beinhaltet:
1. Einen Stadtteilpolizist, der in der Woche regelmäßig vor Ort ist.
2. Eine operative Einheit, also uniformierte Kollegen, die Präsenz zeigen und (Verkehrs-) Kontrollen im Zentrum von Harburg durchführen.
3. Zivilpolizei, die anlassbezogen operiert.

Von Januar bis Juni 2014 gab es 84 Fälle von Gewaltkriminalität im Ortsteil 702, zu dem die Wilstorfer Straße gehört. Dabei dominieren einfache und gefährliche Körperverletzungen.
 auf anderen WebseitenSenden
1 Kommentar
6
Mijürg Pug aus Harburg | 06.11.2014 | 22:45  
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.