Wetternstraße: Siedler fühlen sich im Stich gelassen

Hannelore Gebhardt (links) und Iwona Mazurkiewicz: „Wir wollen, dass man unsere Sorgen ernst nimmt.“ Foto: mag

Rund um das 120 Bewohner starke Quartier leben 3.200 Flüchtlinge -
Anwohner: Es fehlt an Unterstützung durch die Behörden

Von Andreas Göhring.
Mehr als 3.000 Flüchtlinge als neue Nachbarn: Kann das gut gehen? Viele Menschen in Neugraben fürchten: nein! Sie gehen deshalb auf die Straße und demonstrieren. Die 120 Bewohner der Siedlung Wetternstraße am Bahnhof Harburg haben schon Erfahrungen gemacht: In einem Radius von 650 Metern um sie herum leben bald 3.200 Flüchtlinge, darunter 88 alleinstehende Jugendliche und dazu noch bis zu 500 wartende Menschen an der ersten Anlaufstelle für alle Flüchtlinge in Hamburg (Zentrale Erstaufnahme).
„Nein, wir haben nicht Angst um unser Leben“, sagt Siedlerin Hannelore Gebhardt. „Aber wenn man als Seniorin abends von der S-Bahn nach Hause will, führt kein Weg dran vorbei – man muss entweder an den Wartenden vor der ZEA vorbei. Oder an der Unterkunft Wetternstraße, wo häufiger mal mit Drogen gehandelt wird. Da kann einem schon mulmig werden.“
Viel schlimmer sei aber das Gefühl, in Stich gelassen zu werden, findet Iwona Mazurkiewicz, die Anfang der 90er-Jahre selbst als Flüchtlinge nach Hamburg gekommen war. Sie vertritt mit Hannelore Gebhardt die Interessen der Siedler von der Wetternstraße: „Ich muss mir nur einmal in Erinnerung rufen, was uns schon alles versprochen, was dann aber nicht gehalten worden ist.“ Die Anwohnerinitiative hat sich von Anfang an für ein friedliches Zusammenleben mit ihren Nachbarn eingesetzt.
Dazu gehöre auch, dass man Probleme wie zum Beispiel das Auftreten von auswärtigen Drogendealern, die mit ihren „großen Schlitten“ vor der Unterkunft Wetternstraße auf Kunden warteten, zur Kenntnis nehme. Mazurkiewicz: „Die Polizei hat eine Zeitlang so getan, als ob sie alles im Griff hat.“
Vor einigen Wochen bemerkte Hannelore Gebhardt mehrere Fremde, die in der Siedlung herumliefen und alles genau beobachtet hätten. Sie hatte das der Polizei gemeldet, aber die sah keinen Grund zum Eingreifen. Sie sei erst gekommen, als es in der Nachbarschaft mehrere Einbrüche hintereinander gab. Gebhardt: „Ich bin sicher, dass das keine Flüchtlinge waren. Sicherer fühle ich mich deshalb aber nicht.“
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.