Wer kann bei der Aufklärung helfen?

„Ich verstehe die Vorsicht, sich nach Jahren stetiger Verletzungen und Abweisungen an die Institutionen wenden zu sollen, die für dieses Leid mit verantwortlich sind, weil sie sie nicht geschützt haben“, sagt Pröpstin Ulrike Murmann (Kirchenkreis Hamburg-Ost). Foto: Oliver Fantitsch/KK HH-Ost

Missbrauchsvorwürfe betreffen die 1980er Jahre
im kirchlichen Kinderheim Margaretenhort

Von Olaf Zimmermann.
Im kirchlichen Kinderheim Margaretenhort in der Haakestraße wurden Anfang der 1980er Jahre offenbar Mädchen und Jungen sexuell missbraucht. Der Kirchenkreis Hamburg-Ost hatte Ende Oktober 2016 entsprechende Vorwürfe öffentlich gemacht und Betroffene gebeten, sich zu melden. Einige Personen haben dies getan, weitere werden noch gesucht. Nicht nur Missbrauchsopfer, sondern auch Menschen aus dem Umfeld, die mitteilen können, was sie in der Zeit, in der die sexuellen Übergriffe geschehen sind, wahrgenommen haben.
„Aufarbeitung braucht Transparenz. Wir möchten wissen, was geschehen ist und aufklären. Wir suchen nach Antworten, die unserer heutigen Präventionsarbeit dienen können und wollen Fehler nicht wiederholen“, sagt Rainer Rißmann, Geschäftsführer des Margaretenhorts.
Hintergrund: Im Kinderheim Margaretenhort, einer geschlossenen Einrichtung, lebten anfangs Waisen und Kinder von Flussschiffern, die sich nicht um ihren Nachwuchs kümmern konnten. „Später kamen Kinder aus zerrütteten Familien sowie auffällige Kinder hinzu“, erklärt Remmer Koch, Sprecher des Kirchenkreises Hamburg-Ost. Insgesamt wohnten rund 70 Kinder im Margaretenhort. Seit Mitte der 80er Jahre wurden die Kinder und Jugendlichen dann in verschiedenen Jugendwohnungen untergebracht.
Im Mai 2016 hatten sich zwei ehemalige Bewohnerinnen bei einer Vertrauensperson gemeldet und schwere Vorwürfe erhoben. Anfang der 80er Jahre sollen ältere Jugendliche Mädchen und Jungen über längere Zeit missbraucht haben. Heimleitung und Mitarbeiter hätten auf Hilferufe der Opfer nicht reagiert.
Die Aufklärung der Vorfälle ist schwer. Sämtliche Akten aus der damaligen Zeit sind längst vernichtet. Pröpstin Ulrike Murmann (Kirchenkreis Hamburg-Ost): „Die Gespräche mit Betroffenen finden in einem vertraulichen Rahmen statt, in dem die Betroffenen selbst entscheiden, was sie uns erzählen wollen. Wir hören zu, wollen verstehen und suchen gemeinsam nach Möglichkeiten, mit den Folgen des Missbrauchs besser leben zu können.“

Kontakt aufnehmen
Die Missbrauchsvorwürfe können nur aufgeklärt und aufgearbeitet werden, wenn sich Betroffene melden. Dafür gibt es mehrere Wege:

Hotline der Fachstelle Prävention (evangelische
Kirche):
Tel 0176 / 87 11 76 34 oder
E-Mail an fachstelle.praeven tion@kirche-hamburg-ost.de

Menschen aus dem Umfeld, die ihr Wissen mitteilen möchten, können sich beim Margaretenhort melden: 
Tel 0173/ 4937598 (Rebecca Boldt) oder E-Mail: aufarbeitung@margaretenhort.de

Kirchlich unabhängige
Ansprechpartnerin:
Rechtsanwältin Gisela
Frederking, Tel 040/ 68 919 815 oder per E-Mail an
gisela.frederking@fresam.de

Bei der Polizei:
LKA 42, Tel 428 67 42 10
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Angelika Oetken aus Altona | 24.05.2017 | 18:36  
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