Was wird aus der Geschichtswerkstatt?

Birgit Caumanns (li.) und Dr. Andrea Pausch von der Harburger Geschichtswerkstatt, hoffen auf eine Förderung, damit sie einen größeren Raum für ihre ehrenamtliche Arbeit mieten können. Foto: sl

Kein Geld, kein Platz

SABINE LANGNER, HARBURG
Seit drei Jahren sammelt eine Handvoll Menschen alles, was sie zur Geschichte Harburgs in die Finger bekommen kann. Voller Enthusiasmus, und ehrenamtlich, sichten die 16 Mitglieder des Vereins Geschichtswerkstatt Harburg e.V. alte Bilder, Tagebücher und Firmenjournale. Immer öfter werden sie angerufen, wenn jemand den Dachboden der Großeltern entrümpelt und dort alte Dokumente findet, die zum Wegwerfen zu schade sind.

Allerdings hat der Verein ein großes Problem: Seit der Gründung 2010 haust er in einem gut 20 Quadratmeter großen Zimmer in der Kulturwerkstatt am Kanalplatz. Ohnehin nur als Zwischenlösung gedacht, herrscht hier inzwischen drangvolle Enge. Fast mannshoch stapeln sich die die Archivkartons an einer Wand. Schränke mit Akten platzen aus allen Nähten. Ein Minicomputer quetscht sich in eine Ecke. Alte Zeichnungen lehnen so waghalsig an der Wand, „dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis dort jemand hineintritt“, fürchtet Gründungsmitglied Birgit Caumanns.

Dabei gäbe es eine Lösung: Der Besitzer des Harburger Schlosses, Norbert Heymann, bietet eine Wohnung in dem Schloss an. „Wo wäre eine Geschichtswerkstatt besser aufgehoben, als in einem der ältesten Gebäude Harburgs?“, fragt sich Vorstandsmitglied Dr. Andrea Pausch. Allein, es fehlt, das Geld, diese Räume zu mieten. Genau gesagt, fehlen 15.000 Euro für Miete und die laufenden Kosten.

Also wandten sich die Hobbyhistoriker an alle Fraktionen der Bezirksversammlung. Die Linken reagierten zuerst und stellten einen Antrag auf Förderung aus Sondermitteln. Begeisterung allerseits, nur die SPD schmetterte den Antrag ab. „Wir haben kein Geld“, begründet SPD-Chef Jürgen Heimath diese Entscheidung. Außerdem müsse man sich ohnehin erst mal klar werden, wo die Unterschiede zwischen der Geschichtswerkstatt, der Arbeit des Helmsmuseums und der Kulturwerkstatt lägen.

Ein Argument, das die Vereinsmitglieder nicht nachvollziehen können. „Das Helmsmuseum forscht bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts“, erklärt Birgit Caumanns. „Wir versuchen, Zeitzeugen zu finden und Dokumente aus der Generation unserer Großeltern. Ehrlich gesagt, fühlen wir uns ein bisschen allein gelassen. Das Bezirksamt ist auf uns mit der Idee der Geschichtswerkstatt zu gekommen, weil Harburg der einzige Bezirk war, der bisher noch keine hatte. Jetzt gibt es engagierte Menschen, die ehrenamtlich arbeiten. Aber unter diesen Platz- und Finanzbedingungen können wir nicht mehr lange durchhalten.“
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