Was tun mit einer Kirche, die niemand mehr braucht?

Musiker aus der ganzen Welt - hier die Band Lake - schätzen die außergewöhnlich gute Akustik in der Harburger Dreifaltigkeitskirche. Foto: sl

Jahrelang fanden in der Dreifaltigkeitskirche unter dem Motto „Hamburger Klangkirche“ Konzerte statt, doch damit ist bald Schluss - noch keine Idee für künftige Nutzung

Am 12. Januar 2013 wird in der Harburger Dreifaltigkeitskirche in der Neuen Straße, der Hamburger Klangkirche, zum letzten Mal ein Konzert stattfinden. Nach dem Auftritt von Inga Rumpf wird das Projekt „Klangkirche“ beendet. Der Grund: Es fehlt Geld. Bisher hat sich der Kirchenkreis Hamburg Ost die Klangkirche jährlich rund 20.000 Euro kosten lassen. Doch zum Ende 2012 läuft diese Förderung aus. „Es gibt keine Aussicht auf Verlängerung“, weiß Kirchenkreis-Sprecher Remmer Koch.
Für Gudrun Ursula Reimers, Geschäftsführerin des Klangkirchen Projektes, ist diese Entscheidung tragisch. „Die Akustik in dieser Kirche ist ganz außergewöhnlich und einzigartig in Hamburg“, sagt sie. „Wir haben durch das vielfältige Programm Gäste aus Berlin, Nordrhein-Westfalen, Schleswig-Holstein, Niedersachsen und aus ganz Hamburg angezogen.“
Die Mischung aus großen Namen wie Lake oder Katja Ebstein und jungen, unbekannten Musikern hatte so großen Erfolg, dass Reimers das Projekt unbedingt weiterführen will – aber nicht in Harburg. Sie sei in Verhandlungen mit einer Kirche auf der anderen Elbseite, aber das sei noch nicht spruchreif. Am liebsten würde sie aber in Harburg bleiben. Doch dafür bräuchte man zuverlässig einen Sponsor, der pro Jahr 15.000 bis 20.000 Euro beisteuert. „Allein 500 Euro braucht man an einem Abend nur um die Räume zu heizen“, sagt Gudrun Ursula Reimers.
Geld, das der Kirchenkreis keinesfalls mehr ausgeben will. Zumal die Kirche kaum noch genutzt wird. Die Gottesdienste finden längst in der St. Trinitatis-Kirche in der Bremer Straße statt. Pastor Thomas Brandes: „Regelmäßig werden die Räume nur von einer afrikanischen Gemeinde genutzt, die jeden Sonntag hier einen Gottesdienst feiert.“
Auch für die Kirchengemeinde ist das Aus für das Projekt Klangkirche ein Problem. Der Unterhalt des Gebäudes kostet rund 80.000 Euro im Jahr. Die fallen an, ob Menschen in der Kirche sind oder nicht. Einfach abreißen geht gar nicht, weil das gesamte Ensemble mit den Resten der alten Dreifaltigkeitskirche, der neuen Kirche und dem angebauten Gemeindehaus unter Denkmalschutz stehen. „Wir denken über eine Nutzung nach“, sagt auch Pastorin Sabine Kaiser-Reis. „Aber bisher haben wir keine Idee.“

Hintergrund
Nachdem sich die Dreifaltigkeits- und St. Johannis-Gemeinde zur St. Trinitatis-Gemeinde zusammengeschlossen hatten, wurden die meisten kirchlichen Aktivitäten in die St. Johannis-Kirche verlegt. Für die im Zweiten Weltkrieg zerstörte und 1963 wieder aufgebaute Dreifaltigkeitskirche wurde eine neue Funktion gesucht - und mit der „Hamburger Klangkirche“ auch gefunden. In der Kirche, die über eine sehr gute Akustik verfügt, wurde mit großem Erfolg Musik gespielt, die sonst nicht in Kirchen zu hören ist.
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