Von der Elbe an die Oder - mein Leben zwischen den Strömen

 

Wie es ist von Hamburg ins tiefste Brandenburg zu ziehen und warum man das überhaupt macht

Erinnern Sie sich noch? Noch vor wenigen Wochen waren die Zeitungen und sozialen Netzwerke, wie jeden Sommer, wieder gefüllt mit stolz strahlenden jungen Menschen in schicken Anzügen und wallenden Ballkleidern. In diesem Jahr zählte auch ich zu dieser speziellen Gruppe Menschen, die sich Abiturienten nennt. Junge Damen und Herren, die fröhlich über den geschafften Abschluss noch etwas orientierungslos, aber hoffnungsvoll in die Zukunft blicken und sich fragen, was kommt jetzt? Da kann die Berufsorientierung am Gymnasium noch so ausführlich gewesen sein, trotzdem ist es ein völlig neues Leben, in das man da plötzlich geworfen wird; und in diesem neuen Leben muss jeder Ex-Schüler jetzt seinen eigenen Weg finden, und das ohne kurz mal beim Sitznachbarn abzugucken – eine Herausforderung!
Mich führte diese leichte Orientierungslosigkeit zu der Idee erstmal ein Jahr „was praktisches“ zu machen und schlussendlich in den östlichsten Zipfel von Deutschland. Jetzt, wo ich langsam verstehe, was sich in den letzten Monaten alles getan hat, finde ich mich plötzlich auf meinem neuen Sofa in meiner neuen Wohnung in meiner neuen Stadt wieder. Diese Stadt, mit Namen Schwedt an der Oder, ist zum Glück etwas vergleichbar mit Harburg, sodass ich mich hier recht schnell einleben konnte. Ich wohne hier in der Altstadt, etwas außerhalb liegt ein Phönixcenter-artiges Shopping-Center und es gibt auch einen Fluss, der die Stadt durchfließt. Allerdings ist hier der entscheidende Unterschied: gegenüber der Stadt, am anderen Flussufer, wartet nicht die noch viel größere Stadt, sondern hier beginnt der Nationalpark Unteres Odertal, in dem ich jetzt als FÖJlerin arbeite.
Sie wissen nicht, was das ist? Kein Problem, meine Tante dachte auch zuerst, ich hätte mich vertippt. „FÖJ“ ist die Kurzform vom „Freiwilligen Ökologischen Jahr“, einem Freiwilligendienst, der seit 2002 deutschlandweit angeboten wird. Es ist also ähnlich zu dem wesentlich bekannteren Freiwillige Soziale Jahr - mit dem Unterschied, dass die Einsatzstellen im ökologischen Bereich angesiedelt sind. Dazu gehören neben Bauernhöfen und Gärtnerhöfen, auch Umweltbildnerische Einrichtungen.
Nachdem ich mich zunächst an der Nordsee beworben hatte, probierte ich es anschließend hier im Nationalpark Unteres Odertal, wo ich schlussendlich auch die Zusage bekam. Der Nationalpark Unteres Odertal ist Deutschlands einziger Flussauen-Nationalpark und ist durch seine erstaunlich vielfältige Flora und Fauna besonders schützenswert. Das Zentrum des Nationalparks befindet sich im kleinen Dörfchen Criewen, welches tagsüber von mehr Touristen als Einwohnern besiedelt wird. Hier radle ich nun jeden Tag knappe 8km hin und arbeite zwischen der Nationalparkverwaltung und der Naturwacht: Mal fahre ich mit einem Ranger der Naturwacht raus ins Gebiet, welches 10 000 Hektar Fläche umfasst, an anderen Tagen arbeite ich in unserem Besucherinformationszentrum und gebe mir Mühe die Fragen der Besucher zu beantworten und an wieder anderen Tagen kümmere ich mich um Aufgaben in der Umweltbildung.
Oft wurde ich bisher gefragt, ob ich denn hier überhaupt glücklich bin, da das doch hier ganz anders ist als in Hamburg. Und ich muss sagen: Ja! Ich bin glücklich hier. Es tut gut, mal in einer Gegend zu wohnen, wo um 16:30 die Bürgersteige schon hochgeklappt sind, wenn man sein bisheriges Leben in einer hektischen Großstadt verbracht hat. Kurz gesagt: Es ist anders, es ist eine Abwechslung. Manchmal vermisse ich aber auch den Stadttrubel, sodass ich mich freue, meine Eltern in Hamburg besuchen zu können.
Schließlich ist das schöne Hamburg meine Heimatstadt und aber inzwischen gehört auch Schwedt zu mir, sodass ich nun in ein Zwischenstromleben zwischen Elbe und Oder starte!

Meine Erlebnisse und Erfahrungen während meines FÖJs werde ich regelmäßig in meinem Blog "Zwischenstromleben" posten! Viel Spaß beim Lesen!
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