Vom Vorzeigeprojekt zum Problemfall

Das einstige Vorzeigeprojekt Marina auf der Schloßinsel sieht zurzeit recht trostlos aus. Foto: mag

Marina auf der Schloßinsel: Projektentwickler Lorenz gekündigt

Von Bernhard Bruno. Zerfetze Abdeckplanen, hier und da mal ein Arbeiter: Harburgs einstige Vorzeige-Großbaustelle auf der Schloßinsel bietet zurzeit einen eher trostlosen Anblick. Nach mehrmonatigem Baustopp sollte es jetzt eigentlich mit Volldampf weitergehen. Davon ist aber noch nicht viel zu spüren.
Projektentwickler Frank Lorenz hatte die Idee, die alten Hansen-Speicher auf der Schloßinsel abzureißen und durch rund 160 Wohnungen der gehobenen Preisklasse zu ersetzen. Exquisite Ausstattung gepaart mit einem durchaus rauen Hafenambiente – das war vom Start weg eine gewagte Mischung. Die Partnerschaft mit der Internationalen Bauausstellung sorgte jedoch für angenehmen Rückenwind.
Allerdings hätte auch ein Orkan von achtern die Insolvenz der Baufirma Alpina im Frühjahr nicht verhindern können. Schon zu diesem Zeitpunkt war klar, dass die Marina Verspätung hat. Der Baustopp förderte den Schlamassel, hinzu kamen offenbar Meinungsverschiedenheiten hinter den Kulissen. Projektentwickler Lorenz und der Investor, die Provinzial Rheinland AG, verhandelten monatelang, konnten sich aber über das weitere Vorgehen nicht einigen. Und vor wenigen Tagen lag bei Lorenz eine Kündigung auf dem Tisch.
Lorenz: „Wir bedauern diese Entscheidung außerordentlich und wünschen dem Projekt eine glückliche Fertigstellung.“ Nach dem friedlichen Ende einer Geschäftsbeziehung klingt das eher nicht. Und auch das Schicksal des kleinen Cafés Vero scheint nicht ganz nach Plan gelaufen zu sein. Im Dezember war Geschäftsführer Martin Böttcher noch Gastgeber für die channel hamburg Weihnachtsparty, jetzt ist seine Handynummer nicht mehr bekannt, außerdem ist er laut Handelsregister schon im Juli 2013 aus der Vero Schloßinsel GmbH als Geschäftsführer ausgeschieden.
Wer immer das 75-Millionen-Euro-Projekt jetzt zu Ende führt – auf ihn wartet keine leichte Aufgabe. Von den 30 Wohnungen im besonders exklusiven Turmbau „Pearl“ sind erst elf verkauft. Die Wohnungen mit einer Grundfläche zwischen 80 und 230 Quadratmetern werden zu Kaufpreisen zwischen 300.000 und 1.470.000 Euro angeboten.
Von den 40 Mietwohnungen zwischen 80 und 164 Quadratmeter, Miete zwischen 1.360 und 2.650 Euro, in den Bereichen „Sun“ und „Marin“ sind erst zwei vermietet. Nur im Bereich „Beach“, der schon fertig gestellt ist, sind von 24 immerhin 17 Wohnungen vermietet.
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2 Kommentare
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Petra Weinstein aus Harburg | 07.01.2014 | 10:39  
7
Enrico Meyer aus Harburg | 11.01.2014 | 16:31  
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