Viele Fragen, wenig Antworten

Das Publikum suchte nach verbindlichen Antworten. Manches blieb offen. Foto: tsilis

150 Besucher beim Hafenfrühstück der Kulturwerkstatt zum
Thema „Wohnschiffe für Flüchtlinge im Binnenhafen“

Von Andreas Tsilis.
Die Szene stimmt nachdenklich. Am Sonnabend machten am Kanalplatz noch ein Dutzend Mitglieder des Hamburger Yachtclubs ihre Luxusboote fest. Sie warteten auf die Schleusenöffnung, um ihren Tagesausflug fortzusetzen. Nicht einmal 24 Stunden später erklärte Bezirksamtleiter Thomas Völsch an Ort und Stelle den knapp 150 Anwohnern und Interessierten beim „Hafenfrühstück“, dass spätestens Anfang Dezember ein Wohnschiff am Kanalplatz/Lotsekai 200 Flüchtlinge beherbergen wird.
Fünf Jahre Liegezeit sind veranschlagt. Außerdem werden zwei Pontons mit Containern für weitere 200 Personen aufgestellt. Die Not der Hansestadt ist groß, bis Jahresende müssen hamburgweit insgesamt 5.000 Wohnplätze her.
Einige Anwesende fragten, teils hinter vorgehaltener Hand, teils öffentlich, wieso in Harburg und warum an prominenter Stelle, Flüchtlinge untergebracht werden müssen. „Was ist mit dem Alsterufer“, wollte Jutta Bergmann wissen.
Dass man seit fast 70 Jahren in Frieden lebe, sei ein Privileg aber warum, so Bergmann, „müssen Flüchtlinge bei uns im Hafen zentral untergebracht werden?“ Mehrfach ging der Bezirksamtleiter unter anderem auf die Standortvorteile am Kanalplatz ein. „Ein Schiff muss nur festmachen und ein Stromkabel gelegt werden.“ Eine gute Lösung seien Schiffe nicht, räumte er ein, aber aktuell käme man da nicht drumherum.
Auf eine zeitlich begrenzte Lösung hofft Andreas Streich. Angelockt von der Internationalen Bauausstellung 2013, wagte der Barmbeker den „Sprung über die Elbe“. Das Leben am Wasser habe ihn gereizt, das Ambiente begeistert. Nun steckt er im Zwiespalt und überlegt, was eine Flüchtlingsunterbringung am Kanalplatz eigentlich bedeutet.

Schnelle Integration?

„Welche Perspektive dürfen die Menschen haben, wie schnell können sie integriert werden?“, fragte Jochen Lärm, ein Bewohner der Schloßinsel. Die Polizei sprach von „Prävention durch Integration“.
Politiker wie Manuel Sarrazin und Sören Schumacher sprachen von millionenschweren Nachtragshaushalten, schwer zu beschaffendem zusätzlichen Fachpersonal, Aufnahme-Statistiken und Betreuungsschlüsseln. Man hörte was über Dublin 2, europäische Flüchtlingspolitik und sichere Drittstaaten. Das Dilemma dabei: Viele Fragesteller hatten sich konkrete, allgemeinverbindliche Antworten von Politik und Verwaltung für den Binnenhafen erhofft. Doch die blieben aus.

Wohnunterkunft auf dem Schwarzenberg
Auf dem Heimfelder Schwarzenberg wird eine Wohnunterkunft für Flüchtlinge errichtet. Zwischen 300 bis 500 Flüchtlinge sollen hier in Wohncontainern untergebracht werden.
Das Bezirksamt Harburg lädt alle Anwohner zu einer Informationsveranstaltung ein. Termin: am heutigen Mittwoch, 1. Oktober, 18 Uhr, Hauptgebäude A der TUHH, Schwarzenbergplatz 93.
Wie lange soll die Unterkunft auf dem Schwarzenberg bleiben? Bezirksamtssprecherin Bettina Maak: „Angedacht ist nach aktuellem Stand eine Nutzung bis Ende März 2015. Damit sind weder für die Harburger Bautage noch das Vogelschießen Planungsänderungen erforderlich.“
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