„Überall mit offenen Armen aufgenommen“

Gildeschütze mit Leib und Seele: König Ulf Schröder ist sichtlich stolz darauf, bald mit einem Foto in der illustren Reihe der ehemaligen Gilde-Majestäten im Hotel Lindtner vertreten zu sein. Foto: SD

Die Harburger Schützengilde feiert ihren
König Ulf Schröder auf dem Winterball im Hotel Lindtner

Von Sabine Deh.

Im Sommer schoss Ulf Schröder beim Königsschießen der Harburger Schützengilde von 1528 den Vogelrumpf ab. Anschließend wurde der 33-Jährige, der in München als Versicherungskaufmann tätig ist, auf dem Schwarzenberg zum neuen Gildekönig proklamiert. Der Traditionsverein hat weder mit Schröders Wohnort, noch mit dessen Homosexualität ein Problem. Am 13. Dezember, ab 20 Uhr wird im Privathotel Lindtner mit viel Prominenz der Winterball zu seinen Ehren gefeiert. Das Elbe Wochenblatt traf sich vorher zu einem Interview mit Seiner Majestät.

Sie sind seit ihrem elften Lebensjahr Mitglied im Schützenverein. Was fasziniert Sie am Schützenwesen?
Schützen kommen aus allen Gesellschaftsschichten. Ich kenne keinen Verein, der seine Werte und Tradtionen so pflegt wie die Gilde und sich dabei immer wieder selbst hinterfragt. Einmalig!

Was gefällt Ihnen am Schießsport?
Ich spreche nicht von meinem Gewehr, sondern von meinem Sportgerät. Der Schieß-sport verlangt eine ruhige Hand, Konzentration und Ausdauer, das mag ich.

Sie sind SPD-Politiker, engagieren sich bei den Schwusos, haben den Christopher-Street-Day mit organisiert und sind Mitglied in der Harburger Schützengilde. Mögen Sie Kontraste?
Ich brauche Bewegung in meinem Leben. Es gibt nichts schlimmeres, als sich im Kreis zu drehen.

Werben Sie in der Schützenkameradschaft um mehr Verständnis für Homosexuelle, oder werben Sie in der Schwulen-Gemeinde für die Schützen?
Bei den Schützen muss ich gar nicht um Verständnis werben. Nach meinem Königsschuss haben mir 30 Schützen aus dem Landkreis und dem Bezirk Harburg schriftlich gratuliert. Das ein Schwulen-Magazin seine Geschichte über mich mit „Die Schützen-Queen“ überschrieb, fand ich dagegen gar nicht witzig.

Wie geht die Harburger Schützengilde mit einem schwulen König um?
Ich bin überall mit offenen Armen aufgenommen worden und habe in der Zwischenzeit viele offene interessante Gespräche geführt, auch mit älteren Kameraden, die einem schwulen Gilde-König vielleicht zunächst skeptisch gegenüber standen.

Stimmt es, dass während ihrer Proklamation ein Regenbogen über dem Schwarzenberg zu sehen war?
Ja, das stimmt. Allerdings war ich so beschäftigt, dass mir die symbolische Bedeutung erst später klar wurde.

Wie geht Ihre Familie damit um, dass Sie mit Themen wie Politik, Christopher-Street-Day, Homosexualität und jetzt als Gilde-König im
Blickpunkt der Öffentlichkeit stehen?

Ganz entspannt. Meine Mutter arbeitet in einem Supermarkt in Holm-Seppensen und wird ständig auf ihren Sohn angesprochen, das stört sie überhaupt nicht.

Welche Stadt ist toleranter: München oder Hamburg?
Beide Städte sind tolerant. München hat 2004 sogar die schwul-lesbischen Euro-Games ausgerichtet. Die Hamburger sind typisch hanseatisch: offen, neugierig und zurückhaltend.

Wie leben Sie in München?

Ich lebe mit meinem Partner in einer sanierten Altbauwohnung im Münchner Westend, ganz in der Nähe der Oktoberfestwiese. Derzeit pendele ich natürlich häufig zwischen beiden Städten.

Wie wünschen Sie sich den Gilde-Winterball der zu Ihren Ehren gefeiert wird?
Ich würde mich freuen, wenn wir die Besucherzahlen aus den letzten Jahren toppen. Außerdem wünsche ich mir ein rauschendes Fest zu Beginn der Hamburger Ballsaison.
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