Stille Helden gesucht

Eines der letzten Fotos von Erna Goldberg (m.), das vor ihrer Deportation in ein Nazi-Vernichtungslager entstand. Ein Stolperstein in der Konsul-Renck-Straße erinnert heute an die Familie Goldberg. Foto: pr

Nicht alle waren Hitlers willige Helfershelfer

Einige Zeit vor ihrer Ermordung in einem deutschen, nationalsozialistischen Vernichtungslager in Polen schrieb Erna Goldberg ihrer früheren Nachbarin Frieda Cordes in der Harburger Konsul-Renck-Straße einen verzweifelten Brief, in dem sie die Freundin um Stricknadeln bat. „Liebe Frieda, sei mir nicht böse, dass ich immer wieder mit meinen Wünschen komme, aber die Nadeln sind für mich so wichtig und wertvoll....“ schrieb die junge Frau.
Frieda Cordes war nicht die einzige Harburgerin, die ihrem Herzen folgte und sich nicht von dem damals allgegenwärtigen Hass auf Juden, Roma,
psychisch Kranke und Homosexuelle anstecken ließ. Der bewegende Briefwechsel der einstigen Nachbarinnen befindet sich heute im Archiv der Forschungsstelle für Zeitgeschichte in Hamburg. Aus anderen Briefen geht hervor, dass sich auch Frauen wie zum Beispiel Irma Fricke und Lotte Cord während der Naziterrorherrschaft an dieser für sie nicht ungefährlichen Paketaktion beteiligt haben.
Mit Hilfe der von Frieda Cordes geschickten Stricknadeln konnte sich Erna Goldberg im Getto in der Nähe der Stadt Tarnow aus der aufgeribbelten Wolle ihrer löchrigen Strümpfe ein Hemd gegen die klirrende Kälte in ihrer ungeheizten Behausung stricken. Selbst das kleinste bisschen Menschlichkeit war für die Opfer der Nazis nicht selten von unschätzbaren Wert.
„Frieda Cortes war nicht die einzige Harburgerin, die half“, weiß Klaus Möller von der Initiative „Gedenken in Harburg“. Derzeit bereitet er mit seinen Kollegen das Programm für die „Harburger Gedenktage 2013“ vor. „Im Rahmen dieser Veranstaltung wollen wir diesmal an die stillen Helden aus dem Hamburger Süden erinnern, die in der NS-Zeit Zivilcourage bewiesen haben“, so Möller.
Hinweise auf Menschen wie Frieda Cortes, Irma Fricke und die anderen stillen Helden nimmt die Initiative „Gedenken in Harburg“, Kirchenkreis Hamburg-Ost, Haus der Kirche Harburg, Hölertwiete 5, entgegen. Kontakt auch per Mail an info@gedenken-in-harburg.de oder unter Telefon 768 16 44.
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