Stehende Ovationen und Tränen

Mehr als eine Stunde lang verabschiedeten sich Pastor Frank-Ulrich Schoeneberg und seine Frau Christiane (l.) von den vielen Besuchern seines Abschiedsgottesdienstes. Foto: sl

Pastor Frank-Ulrich Schoeneberg wurde mit einem bewegenden Festgottesdienst verabschiedet.

SABINE LANGNER, HARBURG
Mehr als eine Stunde standen Pastor Frank-Ulrich Schoeneberg und seine Frau Christiane im Eingang der St. Paulus Kirche in Heimfeld. Eine Stunde, in der mehrere hundert Menschen Schlange standen, um sich von "ihrem" Pastor persönlich zu verabschieden, ein Geschenk zu überreichen sowie ihm und seiner Familie Glück zu wünschen. Fast 17 Jahre war der heute 52-Jährige in der Gemeinde Pastor und Seelsorger, Kümmerer und Anschieber. Jetzt wechselt er zum 1. Juli als neuer Pastor nach Sasel.

Offiziell ist dieser Neustart ein normaler Vorgang: "Nach so vielen Jahren ist jetzt genau der richtige Zeitpunkt mit Anfang 50jetzt noch mal etwas ganz neues anzufangen", sagt der Pastor. Hinter den Kulissen war wohl offenbar aber auch jede Menge Frust mit im Spiel. Frust über die Aufgabe des Gemeindehauses, das an eine Tagespflegestätte verpachtet wurde. Frust auch über ständige Kämpfe um Geld, das die knapp 110 Jahre alte Kirche dringend für Sanierungen benötigt und auch Frust über die nichtperfekte Zusammenarbeit mit der benachbarten St.Petrus-Gemeinde.

Wenngleich witzig verpackt, fanden sich Anklänge dieses Frustes auch in der Abschiedspredigt von Frank-Ulrich Schoeneberg wieder. "Mir haben viele Menschen gesagt: 'Wenn der Schoeneberg geht, kann St. Paulus auch gleich dicht machen', aber das ist ja völliger Quatsch", predigte er. Stattdessen zeichnete er seine Vision der Zukunft der Kirche. Demnach wird die neue Pastorin oder der neue Pastor (momentan ist noch kein Nachfolger gefunden, Anm. der Redaktion) die Gemeinde so begeistern und die Kirche so füllen, dass das Amt für Denkmalschutz so viel Geld frei macht, dass die Kirche in einem Jahr saniert werden kann. "Der Gemeinderat wird sich verdoppeln, damit alle mitmachen können, die wollen. Es wird genug Geld da sein, um endlich genug Gesangsbücher anzuschaffen. Und das Stadtteil wird so beliebt, dass niemand mehr zum Außenmühlenfest gehen will, weil alle in Heimfeld feiern", so Schoeneberg weiter.

Für die vielen Hundert Menschen, die den Abschiedsgottesdienst feierten, war diese Vision kein wirklicher Trost. Tränen flossen reichlich, als sich die Veranstaltung dem Ende zuneigte. Und die letzten Worte des Pastors wurden mit stehenden Ovationen beklatscht. "Ich kann seine Entscheidung verstehen", sagte eine Dame auf dem Vorplatz der Kirche, "aber für die Gemeinde wird es eine schwere Zeit ohne ihn, und er hinterlässt eine tiefe Lücke."
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