Sparen - aber wie?

Die Kinder aus dem Kindertreff Heimfeld wollen auch weiterhin einen Ort zum Spielen und Lernen haben. Foto: sl

Bezirk muss 2013 im Kinder- und Jugendbereich mit rund 340.000 Euro weniger auskommen

SABINE LANGNER/OLAF ZIMMERMANN, HARBURG.
Der Hamburger Senat will in der Kinder- und Jugendarbeit den Rotstift ansetzen. Zehn Prozent sollen hier gespart werden. Für den Bezirk Harburg bedeutet dies rund 340.000 Euro. Wie diese Summe eingespart wird, bleibt dem Bezirk überlassen.
Die Möglichkeit, nach dem Rasenmäher-Prinzip überall Geld zu streichen, macht wenig Sinn. Überall wird bereits am Rande des Limits gearbeitet. Statt dessen sollen einige Angebote komplett wegfallen - und die anderen dafür ohne Einsparung weiterbestehen.
Die Harburger Verwaltung hat jetzt aufgelistet, wo überhaupt gespart werden könnte. Betroffen ist auch der Kindertreff Heimfeld in der Friedrich-Naumann-Straße. Seit 30 Jahren gehen hier jeden Nachmittag 40 bis 50 Kinder zwischen sechs und 13 Jahren hin. Sie essen gemeinsam, sie machen Hausaufgaben, sie spielen, und sie gehen zusammen zum Schwimmen.
„Für die Kinder ist der Kindertreff das einzige Angebot im Stadtteil“, sagt die Leiterin Perihan Erikli. „Dabei sind auch Kinder, die teilweise nicht ordentlich beschult werden können. Dabei sind Kinder, deren Eltern keine Zeit oder keine Möglichkeit haben, sich um sie zu kümmern. Jahrelang haben wir hier versucht, Vertrauen aufzubauen mit den Kindern, mit den Eltern. Wo sollen die denn hin, wenn wir zumachen müssen?“
Laut Senatsplan sollen zukünftig Schulen die Nachmittagsbetreuung übernehmen. Momentan ist das allerdings unmöglich. „Wir können die Betreuung der Kinder erst gewährleisten, wenn wir eine Ganztagsschule sind“, sagt Rainer Kühlke, Schulleiter der Schule Grumbrechtstraße. „Ganztagsschule können wir aber erst werden, wenn wir mehr Gebäude haben.“ Es gäbe zwar inzwischen eine Zusage für einen Baubeginn für den Sommer 2013, aber auch dann dauert es ein Jahr bis der Neubau bezugsfertig ist. „So lange sitzen die Kinder dann auf der Straße“, so Rainer Kühlke weiter.
Ein Szenario, das auch Pastor Frank-Ullrich Schoeneberg aus der St. Paulusgemeinde auf den Plan ruft. „Das wäre für den Stadtteil sehr schlimm. Wir haben ja gar nichts gegen Veränderungen, aber dafür braucht man ein Konzept.“


Wo droht der Rotstift
Im Bereich der Kinder- und Jugendarbeit kann in Harburg an folgenden Stellen gespart werden (angegeben ist dabei, mit wieviel Geld die jeweiligen Projekte 2012 gefördert werden). Klar ist: Es wird keine zehnprozentige Kürzung nach dem Rasenmäherprinzip geben. Statt dessen werden einige Angebote komplett gestrichen. Welche das sein werden, steht noch nicht fest.

Spielhaus Kennedyhaus in der Kalischerstraße (Harburg) – vormittags Kita, nachmittags offenes Angebot (84.472 Euro)

Spielhaus Schneverdinger Weg in Harburg: Offenes Nachmittagsangebot des Kinderzentrums Harburg (111.784 Euro)

Spielhaus Außenmühle in Harburg: vormittags Kita, nachmittags offenes Angebot. wird von Elternkreis betrieben (55.277Euro)

Kindertreff Heimfeld in Friedrich-Naumann-Straße: multikultureller Treff für Kinder bis zwölf Jahre (100.744 Euro)

Abenteuerspielplatz an der Hohen Straße: Bauspielplatz für die Kinder und Jugendlichen aus dem Phoenix-Viertel (110.571 Euro)

Kontraste Medien: Spielothek im Kinderzentrum Kennedyhaus für Kinder zwischen sechs und 14 Jahren (4.700 Euro)

Spielmobil in Eißendorf (2.162 Euro) und Falkenflitzer Bugwelle: Mobiles Spiel- und Sportangebot für Kinder und Jugendliche in Harburg und im Sürderelberaum (26.000 Euro)

Sportangebot Op de Bünte in Harburg: Offenes Sportangebot in Kooperation mit dem HTB für Kinder zwischen zehn und 18 Jahren (15.400 Euro)

Optisegeln auf der Außenmühle vom Elternkreis sowie vom Verein Seekiste: sozialpädagogisches Segelangebot für Kinder zwischen neun und 13 Jahren (15.514 Euro)

Spielaktion Affentanz : Kooperation verschiedener Einrichtungen in Harburg, die zweimal im Monat im Phoenix-Viertel Spiele für sechs- bis 14-jährige Kinder anbietet. (7.789 Euro)

Jugendkeller der St. Trinitatiskirche in der Bremer Straße in Harburg: Ort zur Freizeitgestaltung von Jugendlichen ab 14 Jahren (4.704 Euro)

Rieckhof in Harburg: Angebote zur Kinder- und Jugendkulturarbeit für sechs bis 18-Jährige (35.280 Euro)

Ebenfalls auf der Liste stehen Mittel für junge Mädchen im Bezirk (10.000 Euro), Suchtprävention für Kinder- und Jugendliche (9.700 Euro) und das Jugendmedienzentrum (7.462 Euro).
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3 Kommentare
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Nancy Haymann aus Harburg | 18.06.2012 | 18:04  
237
Manfred Hagel aus Harburg | 18.06.2012 | 21:23  
68
Volker Krutzke aus Harburg | 19.06.2012 | 14:00  
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