Sozialkaufhaus SpendaBel schließt

Upcycling in der Holzwerkstatt: fairkauf-Pädagoge Paul Banduch mit einem aufgepeppten Stuhl. Foto: AT

30 Ein-Euro-Kräfte verlieren Ende Januar ihren Job

Von Andreas Tsilis.
„Spenda Bel“ schließt Ende Januar 2015 seine Secondhand-Läden an der Bremer Straße und im Küchgarten. Neben den fest angestellten Mitarbeitern verlieren 30 Bezieher von Arbeitslosengeld 2 ihre Arbeitsgelegenheiten (AGH-Stellen). „Uns wurden die entsprechenden Stellen gekürzt“, sagt Mira Licina, Anleiterin im Küchgarten.
Der Grund: Hamburg muss auf Druck des Bundes sparen, von den 3.100 vorhandenen Stellen werden nächstens Jahr nur noch 2.300 übrig bleiben, die auf viele Beschäftigungsträger verteilt werden müssen.
Für Harburg sei die Schließung von Sozialkaufhäusern problematisch, weiß Mirca Licina. „Nicht nur Bedürftige haben eingekauft, sondern zunehmend auch Geringverdiener, die trotz Vollzeitjob nicht mehr als 900 Euro monatlich nach Hause bringen.“
Dies beobachtet auch Paul Banduch, pädagogischer Leiter bei „fairKauf“. „Die Nachfrage wächst, täglich kommen etwa 250 zahlende Kunden“, sagt Banduch. Auch bei fairkauf lässt sich gut Erhaltenes unter Vorlage eines Kundenausweises zu sozial verträglichen Preisen erwerben.
So gehen schon mal Waschmaschine, Kühlschrank oder Fahrrad innerhalb von zehn Minuten für wenige Euro weg. Der Rest steht maximal drei Tage im Laden. Unverkäufliches wird in eine andere Filiale gebracht oder entsorgt. Das komme aber selten vor, sagt Licina. „Schließlich sind wir billiger als Flohmärkte.“

Den Markt nicht
kaputt machen


Trotz der Niedrigstpreise dürfen die gemeinnützigen Sozialkaufhäuser den Markt mit ihren Produkten und Dienstleistungen nicht kaputt machen. Und genau diese gesetzliche „Wettbewerbsneutralität“ bringt Trödler wie den Wilstorfer Joachim Kloth auf die Palme. Kloths Problem: Er betreibt ein Gewerbe. Ein Euro Jobber bekommt er nicht. „Sozialkaufhäuser erschweren die Geschäfte“, sagt Kloth.
Ein Vorwurf, der Mira Licina nicht kalt lässt. „Die Leute, die zu uns kommen, suchen Dinge für den täglichen Gebrauch und keine Cocktail-Sessel aus den Sechzigern.“ Aktuell sind es Winterjacken und Schuhe - die gibt’s unter zehn Euro. Mit dem alltäglichen Überlebenskampf beschäftigt sich indes Joachim Kloth. Der knapp 70-Jährige denkt ans Aufhören. Aber irgendwie liebt er ihn doch, seinen Trödler-Job, der ihn auf die unterschiedlichsten Menschen treffen lässt.


Sozialkaufhaus
Sozialkaufhäuser sind oft als eingetragene Vereine organisiert und dürfen keine Gewinne machen. AGH - Beschäftigte erhalten dort die Möglichkeit, sich fit für den ersten Arbeitsmarkt zu machen. Menschen mit geringem Einkommen können dort einkaufen. Träger der Sozialkaufhäuser sind häufig Kirchen oder soziale Institutionen.
Spenda Bel, Küchgarten 10 und Bremer Straße 27-29,
Tel 38 65 36 53;
fairKauf, Küchgarten 19,
Tel 79 41 67 70;
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