Sie muss immer „etwas machen“

Irmgard Korpies hat als alleinerziehende Mutter vor 40 Jahren den Jugendclub Blechkiste ins Leben gerufen. Foto: pr

Irmgard Korpies gründete vor 40 Jahren
den Jugendclub Blechkiste

Von Sabine Langner.
Eine eingetretene Kellertür und ein toter Junge führten zur Gründung des Jugendclubs Blechkiste. Erstmal war Irmgard Korpies sauer, als sie in ihrem Keller eine Handvoll Jugendlicher antraf, die es sich dort mit Alkohol und Zigaretten gemütlich gemacht hatten. Die resolute Mutter von zwei Kindern schmiss die Jungs raus. Zum Dank traten sie ihr die Kellertür ein. „Kurze Zeit später verunglückte ein Junge aus der Nachbarschaft tödlich auf dem Güterbahnhof in Maschen, wo er mit anderen Jungs abhing“, erinnert sich die heute 78-Jährige.
So kann das nicht weitergehen, beschloss die Harburgerin, schnappte sich die Jungs aus ihrem Keller und gründete den Jugendclub Blechkiste. Zu Beginn hatte der kleine Verein noch gar keine Räume. Man traf sich regelmäßig in Kirchenräumen oder auch bei Irmgard Korpies zu Hause. Mit Hilfe vieler Unterstützer aus der Nachbarschaft und dank großer Hartnäckigkeit wurden dem Bezirksamt schließlich ein paar Blechcontainer abgetrotzt. Der Name „Blechkiste“ war geboren.
Anfang der 1990er Jahre zog der Verein schließlich in sein heutiges Domizil an der Rönneburger Straße. Die Blechkiste ist längst eine Harburger Institution, sie feiert in diesem Jahr ihren 40. Geburtstag. Auch heute ist Irmgard Korpies noch im Vorstand der Blechkiste, auch wenn sie nicht mehr aktiv mit den Jugendlichen arbeitet.
„Aber ich treffe manchmal eines der Kinder von damals, und es freut mich dann immer sehr, wenn ich sehe, dass aus den größten Rowdys ganz ordentliche Familienväter geworden sind“, sagt sie mit einem Lächeln im Gesicht.
„Etwas machen“ – das zieht sich wie ein roter Faden durch das Leben von Irmgard Korpies. „Es gibt nichts Gutes, außer man tut es“, zitiert sie den alten Erich-Kästner-Spruch. Lange war die Verkäuferin war als Betriebsrätin aktiv. Als sie nach 46 Berufsjahren in den Ruhestand ging, hatte sie plötzlich viel Zeit. Also übernahm sie das Seniorenturnen im Rieckhof.
Und weil faul auf dem Sofa herumliegen nicht ihre Sache ist, kam wenige Zeit später auch noch der wöchentliche Seniorenkreis dazu. Irmgard Korpies besorgte sich Bücher, backte jede Woche einen Kuchen und lud ältere Menschen jeden Freitag für zwei Stunden zum Klönen, Basteln, Spielen und zum Gedächtnistraining ein.
Jetzt muss sie aus gesundheitlichen Gründen ein bisschen kürzer treten. Das Seniorenturnen hat sie schon abgegeben. Für ihren Seniorenkreis sucht sie eine Nachfolgerin. Gleichzeitig denkt sie aber auch schon wieder darüber nach, was man noch machen könnte.

Blechkiste
Der 40. Geburtstag des
Jugendclubs Blechkiste wird am Donnerstag, 15. Juni, von 16 bis 20 Uhr in der Rönneburger Straße 6 gefeiert.
Gäste sind eingeladen, sich den Club einmal anzusehen, Ehemalige können Erinnerungen austauschen.
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